Anne Teresa De Keersmaeker zeigt Tanz ohne Musik

Ruhrtriennale

Minimalismus ist der neue Trend. Manche Menschen leben mit nur wenigen Möbeln, besitzen nur die nötigste Kleidung. Bewundernswert. Aber muss diese Bewegung unbedingt den modernen Tanz erreichen? Anne Teresa De Keersmaeker verzichtet in ihrer Choreografie "Golden Hours (As You Like It)" für die Ruhrtriennale auf ein Bühnenbild, Kostüme und leider auch fast ganz auf Musik.

BOCHUM

, 23.09.2016, 19:16 Uhr / Lesedauer: 1 min
Anne Teresa De Keersmaeker zeigt Tanz ohne Musik

Eine Szene aus "Golden Hours", zu sehen in der Jahrhunderthalle Bochum.

Dabei ist der Abend nach "Golden Hours" von Brian Eno benannt. Dieser hypnotische Song läuft zu Beginn, wenn die elf virtuosen jungen Tänzer wie ein einziger (leicht schwankender) Körper in perfektem Einklang auf die Bühne treten. Danach wird es still. Zu still. Nur der Tänzer Carlos Garbin darf ab und zu die Gitarre zücken.

De Keersmaeker hat sich von Shakespeares "Wie es Euch gefällt" inspirieren lassen - jener Komödie von 1559, in der die Liebenden Rosalind und Orlando in den Wald verbannt werden. Die Schlüsselsätze des Textes lässt De Keersmaeker an die Wand der Jahrhunderthalle Bochum projizieren, doch sie vermeidet jede pantomimische Nacherzählung. Stattdessen übersetzt sie das innere Geschehen in eine leicht bizarre, turboschnelle Tanzsprache, bei der sich Ober- und Unterkörper erstaunlich unterschiedlich bewegen, die Hände so expressiv wirken wie auf spätgotischen Bildern und die Beziehungen durch Blicke hergestellt werden.

Ein Mann übernimmt Rolle der Rosalind

Die Rolle der Rosalind übernimmt mit Aron Blom ein zarter Tänzer, so dass sich beim Happy End zwei Männer küssen - modern, sympathisch, aber an diesem Abend leider ohne jede erotische Spannung.

Dass sich Text und Tanz zwei Stunden lang so schwierig in Einklang bringen lassen, macht die Inszenierung so unzugänglich wie einen Igel und so rätselhaft wie eine mathematische Gleichung. Das Publikum blieb bei der Premiere denn auch ratlos zurück. Trotzdem nicht gerade höflich, dass viele schon aus der Halle flüchteten, während sich die hervorragenden Tänzer noch nassgeschwitzt verbeugten.BJ

Nur noch am 24. September 2016 um 20 Uhr, Jahrhunderthalle Bochum,  Karten: Tel. (0221) 280210.