Anonymous attackiert Bochumer Autorin

Urheberrecht

Nachdem sich eine Bochumer Autorin für Urheberrechte starkmachte, bekam sie die geballte Antwort an ihr E-Mail-Postfach geliefert. 43 305 Mails der Netzaktivisten von Anonymous erreichten ihren PC – in 15 Minuten. Sonja Ullrich will sich davon aber nicht einschüchtern lassen.

BOCHUM

von Von Benedikt Reichel

, 22.05.2012, 18:14 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Ja zum Urheberrecht“, fordern Ullrich und weitere Autoren. In der Rechtsmedizin haben sie sich zu einem Fotoshooting getroffen, ihr letztes Hemd abgelegt, sich „aufschneiden“ lassen. Die Botschaft: „So sehen wir aus, wenn uns die Politik das Urheberrecht nimmt.“ Für einige geht es ums Geld. Sie verdienen mit ihren Werken. Für andere geht es ums Prinzip – geistiges Eigentum ist Eigentum. Die Aktion richtet sich aber auch gegen Anonymous – eine kaum spezifizierbare Gruppe aus Internetaktivisten. Ihr Symbol, die Guy-Fawkes-Maske, taucht auf den Fotos als „Kulturfledderer“ auf.Der Gegenschlag lässt nicht lange auf sich warten. Und er ist massiv. „Ich bin da etwas blauäugig rangegangen“, sagt Ullrich. Ihr E-Mail-Postfach bekommt in 15 Minuten mehr als 40.000 Mails. Die anderen Autoren auch. Server brechen zusammen. Einige sind für mehrere Tage ohne Mail-Zugang. Private Daten der Autoren werden öffentlich ins Internet gestellt. Anschrift, Telefon. „Die sind alle anonym, das ist ihnen ganz wichtig. Aber unsere Adressen geben sie preis?“ Sonja Ullrich ist irritiert. Zugleich empört. Eine andere Meinung zu vertreten sei in Ordnung. „Aber es muss niemand auf diese Weise bedroht werden“, sagt sie. Ihre Augen blicken sorgenvoll auf den Bildschirm ihres Laptops. „Da wird man mundtot gemacht, eingeschüchtert“, sagt sie. Dann kämpferisch: „Ich will mich nicht einschüchtern lassen.“

Sie hat Strafanzeige gestellt. Das Landeskriminalamt ermittelt. Doch einen Täter zu finden, ist fast unmöglich. Der Terror erreichte sie nur über den PC. Telefonanrufe gab es nicht –  noch nicht. Dennoch hat sie inzwischen weitere Initiativen, die sich für die Rechte von Autoren und Künstlern einsetzen, unterzeichnet. „Es wird Veränderungen im Urheberrecht geben“, betont Sonja Ullrich. „Aber dafür sind faire Debatten nötig. Keine Drohungen.“ Die 43.305 E-Mail blockieren inzwischen nicht mehr ihren Posteingang. Die elektronische Post nutzt sie wieder für den Kontakt zu ihrem Verlag und für ihr neues Buch. Das würde sie gern verkaufen – mit allen Rechten für sie als Urheberin.