"Anti-Karajan" schrieb als Pionier Musikgeschichte

Harnoncourt wird 85

Er hat unter Karajan gespielt, sich aber schon als junger Cellist bei den Wiener Symphonikern immer mehr für die historische Aufführungspraxis interessiert als für das "selbstverliebte Baden im üppigen Schönklang", wie Dirigent Thomas Hengelbrock in einer Geburtstags-Festschrift des Berliner Konzerthauses schrieb.

WIEN

, 05.12.2014, 17:01 Uhr / Lesedauer: 1 min
"Anti-Karajan" schrieb als Pionier Musikgeschichte

Mit aufgerissenen Augen leitet der österreichische Dirigent Nikolaus Harnoncourt am 30.12.2002 die Voraufführung des Neujahrskonzerts der Wiener Philharmoniker im Musikverein in Wien.

Schon vor 60 Jahren war Nikolaus Harnoncourt ein "Anti-Karajan", heute, am Nikolaus-Tag, wird er 85 Jahre alt.

Der in Berlin geborene und in Graz aufgewachsene Musiker hat sich verdient gemacht um die historische Aufführungspraxis; er war in diesem Bereich ein Pionier, der in den 1980er- und 90er-Jahren viele Nachahmer fand. Wenn wir heute Bach auf Nachbauten von barocken Instrumenten so hören, wie die Werke um 1700 geklungen haben mögen, ist das auch der Verdienst von Harnoncourt.

Mit dem von ihm Anfang der 50er-Jahre gegründeten Ensemble Concentus Musicus spürte er dem Originalklang nach, studierte Quellen und Handschriften und nahm Vivaldi, Bach, Händel und Mozart so auf, wie man es noch nie gehört hatte. Viele Jahre galt das als Maßstab. Ein "Anti-Karajan" war Harnoncourt auch deshalb, weil er seine Musiker als gleichberechtigte Partner ansah, mit ihnen über Interpretationsansätze diskutierte.Musikgeschichte

Musikgeschichte schrieb der Dirigent in den 1980er-Jahren mit seinem Mozart-Zyklus an der Zürcher Oper mit Regisseur Jean-Pierre Ponnelle. Und auch bei den Festspielen in Salzburg, wo der Dirigent am Mozarteum lehrte, feierte ihn das Publikum bald als Star. 2012 dirigierte er dort Mozarts "Zauberflöte" in der Inszenierung des Dortmunder Opernintendanten Jens-Daniel Herzog als Eröffnungspremiere der Festspiele.

Da waren die Tempi des Altmeisters allerdings sehr ungewöhnlich. Es schien, als habe die junge Generation der Dirigenten den Meister der historischen Aufführungspraxis überholt. Als Pionier hat er sich jedoch in die Musikgeschichtsbücher eingeschrieben.

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