Anwohner besorgt wegen Giftbelastung in Massen-Nord

rnEhemaliger Zechenstandort

Wie gefährlich sind Giftstoffe aus dem Boden, wenn sie deutlich zu riechen sind? Wie belastet sind Grundstücke rund um die ehemalige Kokerei in Massen-Nord? Anwohner sind besorgt. Der Kreis Unna und seine Fachleute aber sind sicher: Für Menschen besteht keine Gefahr.

Massen

, 02.08.2018, 17:07 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit einigen Wochen laufen die Baumaßnahmen auf dem Gelände des Autoverwertungsbetriebs an der Dortmunder Straße in Massen-Nord. Der Altlastensanierungsverband AAV und der Kreis Unna lassen giftbelasteten Boden aus sieben bis zehn Metern Tiefe herausbohren. Seitdem in den 1930er-Jahren an dieser Stelle Rückstände aus einer Kokerei verklappt wurden, ist der Untergrund durchsetzt von Polyzyklischen Aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK), landläufig Teeröl genannt. Der häufigste nachgewiesene Stoff ist Naphtalin. PAK gelten als krebserregend. Der Untergrund muss ausgetauscht werden, weil die Giftstoffe über einen Grundwasserstrom nach Norden bis zu einem Pumpwerk gelangen. Aber was ist mit der Gesundheit der Menschen im Umfeld dieser Großbaustelle?

Messergebnisse bisher unbedenklich

Anwohner fragen kritisch nach. Seitdem das Material mit einem Großlochbohrer aus der Tiefe geholt wird, liegt ein übler Geruch über dem ganzen Areal und teils auch über der Umgebung. Die Verantwortlichen bestätigen, dass der Gestank von den PAK stammt. Besteht für die Menschen, die das riechen, nicht auch eine Gesundheitsgefahr? Die Frage einiger Anwohner drängt sich auf, der Kreis Unna aber beantwortet sie nach wie vor mit Nein. Gerade Naphtalin habe die Eigenschaft, intensiv zu riechen, sagt Ludwig Holzbeck, Umwelt-Fachbereichsleiter beim Kreis Unna. Hohe Temperaturen und wenig Wind sorgten zudem dafür, dass der Gestank über dem Gelände hängt und nicht verweht wird. „Geruch ist aber nicht unbedingt gesundheitsschädlich“, sagt Holzbeck. Es gebe eine intensive Überwachung auf Schadstoffe in der Luft.

Anwohner besorgt wegen Giftbelastung in Massen-Nord

Mitarbeiter der beauftragten Baufirma setzen unter anderem dieses mobile Messgerät ein, um die Luft im Umfeld der Bohrungen und Lagerflächen auf Schadstoffe zu überprüfen. © Marcel Drawe

Mit einem mobilen Messgerät werde regelmäßig am Bohrloch die Luft auf Giftstoffe untersucht. Zusätzlich seien so genannte Passivsammler am Bauzaun und an der Zufahrt an der Dortmunder Straße installiert. Alle Geräte belegten bisher Belastungen unterhalb der Nachweisgrenze, so Holzbeck. Nicht nachweisbar sei gleichbedeutend mit unbedenklich. Die Bezirksregierung als Kontrollbehörde in Sachen Arbeitsschutz habe kürzlich noch bestätigt, dass die Baustelle ohne Bedenken weitergeführt werden könne. Schließlich sollen auch die eingesetzten Arbeiter keiner Gefahr ausgesetzt sein. Ein Bohrhelfer direkt am jeweiligen Loch arbeitet mit Atemschutzmaske, seine Kollegen tragen alle keine besonderen Schutzvorrichtungen.

Privatgrund nicht belastet

Weitere Bedenken betreffen die mögliche Belastung aus dem Untergrund, in dem die Giftstoffe seit Jahrzehnten lagern. So berichtete ein Anwohner in einem Fernsehbeitrag von seiner Sorge, da vier Menschen in seinem Umfeld in den vergangenen Jahren an Krebs gestorben seien. Das Teeröl im Boden der ehemaligen Kokerei schließt Holzbeck aber als Ursache aus. Man habe im Vorfeld der Sanierungsarbeiten Boden- und Luftproben genommen. Es habe definitiv keine Ausgasungen gegeben. Dass Böden auf Privatgrundstücken wie auf dem Schrottplatzgelände belastet sind, schließt der Umwelt-Fachbereichsleiter auch aus. Die Gutachter haben laut Holzbeck auch in der Straße und bis zu den Grenzen der Privatgrundstücke Proben genommen. An den Grenzen sei keine Belastung mehr feststellbar gewesen. Eine Veranlassung, auf Privatgrund weiterzusuchen, habe es deswegen nicht gegeben.

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Kontakt für Fragen oder Kritik im Bezug auf die Altlastensanierung in Massen-Nord zeche-massen@kreis-unna.de; Tel. (02303) 27-3369
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