Anziehungspunkt Westpark

BOCHUM Samstag war Mittsommernacht: Auf den längsten Tag folgte die kürzeste Nacht des Jahres. Grund genug, eine ExtraSchicht einzulegen.

von von Christina Neuffer

, 22.06.2008, 17:36 Uhr / Lesedauer: 2 min
<p>Einen Eindruck von der Welt unter Tage bekamen die Besucher der Sonderführung im Bergbau-Museum.  Neuffer</p>

<p>Einen Eindruck von der Welt unter Tage bekamen die Besucher der Sonderführung im Bergbau-Museum. Neuffer</p>

Über 160 000 Besucher kamen zur "Mittsommernacht der Industriekultur" im gesamten Ruhrgebiet zusammen, um internationale Kunst und Kultur in über 40 Industrieanlagen der Region zu erleben. Auch Bochum hatte einige Höhepunkte zu bieten: Das Bergbaumuseum, die Jahrhunderthalle und der Westpark, der BOGSTRA-Betrieb Engelsburg, die Zeche Hannover und die Fiege Brauerei öffneten von 18 bis 2 Uhr ihre Pforten.

Das Bergbaumuseum veranstaltete Führungen der besonderen Art: Durch Schlamm und Pfützen, über wackelige Gitter und bei fast 100 Prozent Luftfeuchtigkeit stapften die Besucher mit ihren Helmen durch teils noch nicht fertig gestellte Strebe.

Besonders viele Besucher konnte die Fiege-Brauerei verzeichnen, die zum ersten Mal bei der ExtraSchicht dabei war: Die Schlange vor der Brauerei-Führung ging über den ganzen Vorplatz. Im Gebäude erlebten die Besucher den Prozess der Gärung und der Lagerung so leider nur im Schnelldurchgang.

Shuttlebusse

Voll waren auch die Shuttlebusse, mit denen die Besucher die ganze Nacht über von einem Spielort zum anderen gefahren wurden. Obwohl mehr Busse als im vergangenen Jahr im Einsatz waren, kam es zu Wartezeiten und überfüllten Fahrzeugen. Die meisten Leute blieben zwar gelassen, der eine oder andere zeigte sich aber auch leicht gereizt.

Ausgelassene Stimmung herrschte hingegen am BOGESTRA-Betrieb an der Engelsburger Straße. Verschiedene Führungen und eine Rundfahrt in einer Straßenbahn der 20er-Jahre kamen beim Publikum ebenso gut an wie die musikalische Soul-Einlage der Band "Komm'Mit Mann!s".

1250 Grad heißer Stahl

Die Gelegenheit, Stahlproduktion live zu erleben, gab es beim Bochumer Verein: Mit unglaublicher Wucht raste der Hammer auf den 1250 Grad glühend heißen Stahl herunter. "Wir schmieden hier Blöcke, die für Kugellager verwendet werden", so Hermann Baumert, Betriebsleiter des Betriebs.

Fulminantes Feuerwerk

Gelassener ging's im Westpark zu: Millionen von Teelichtern säumten dort die Wege, an denen die Besucher kleinen Lesungen und Schauspielen lauschten. Das große Highlight des Abends bot ab Mitternacht die Frankfurter Theatergruppe Antagon mit ihrem beeindruckenden, aber auch beängstigenden Stück, "Gingko". Ohne Dialog, aber mit lauter, energischer Musik zeigten sie in futuristischem Bühnenbild eine verloren wirkende Gruppe menschlicher Wesen. Für den Ausklang der Nacht hatten die Besucher die Qual der Wahl: Leise Klavierklänge in der Halle oder ein lautes, fulminantes Feuerwerk im Freien.