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Aplerbeck: Erinnerungen an die Gasexplosion 1959

APLERBECK Heinz Ebert war als Feuerwehrmann beim Gasunglück 1959 in Aplerbeck vor Ort. Seine Tochter erinnert sich an die dramatischen Tage.

von Von Jörg Bauerfeld

, 01.04.2009

1982 wurde Heinz Ebert zu Grabe getragen. Sein letzter Wunsch war es, in seiner Uniform der Freiwilligen Feuerwehr Aplerbeck beerdigt zu werden. Eine Uniform, die ihm immer viel bedeutet hat, die ihm aber auch die wohl schlimmsten Momente in seinem Leben beschert hat.

Heinz Ebert gehörte zu den Männern, die im Dezember 1959 mit als erste am Unglücksort der schweren Gasexplosion in der Marsbruchstraße waren. Zwei Tage war der gelernte Bergmann im Einsatz, ehe er für ein paar Stunden nach Hause kam, sich ausruhte und das Erlebte ein wenig sacken ließ. Schreckliche Bilder, die den gestandenen Mann kurzzeitig seine Fassung verlieren ließen. „Als mein Vater sich auf das Sofa setzte, fing er plötzlich bitterlich an zu weinen“, erinnert sich seine Tochter Anke Holz.

„So hatte ich ihn noch nie erlebt. Solche Regungen zeigte er ganz selten. Das Unglück musste ihm sehr nahe gegangen sein.“ Verzweifelte Schreie Er, ein gestandener Seemann, der im 2. Weltkrieg bei der Handelsmarine seinen Dienst tat, der später als Bergmann unter Tage schuftete, konnte einfach nicht mehr.Anke Holz hat die Bilder der schrecklichen Nacht noch genau vor Augen. Von der kleinen Wohnung im Dachgeschoss eines Hauses an der Schüruferstraße blickte die damals 15-Jährige mitten in das Inferno am Marsbruchplatz – sie sah die Flammen in der Dunkelheit, die vielen Schatten in der Nacht. Und sie hörte die Schreie derer, die verzweifelt um ihr Leben kämpften.

„Erst war da der schreckliche Knall, dann folgte eine kurze Zeit unheimliche Stille und dann hörte man die Schreie der Menschen“, sagt Anke Holz. „Die Schreie höre ich heute noch“. Und auch ihrem Vater, der sich sofort auf den Weg zur Feuerwache machte, müssen die Hilferufe in den Ohren geklungen haben. Aus Verzweiflung sind die Menschen auf die Dächer der beiden brennenden Häuser geklettert, versuchten dem Feuer und dem Qualm zu entfliehen und stürzten in den Tod. Und mitten in dem tosenden Chaos – Feuerwehrmann Heinz Ebert, der mit seinem Aplerbecker Löschzug und vielen anderen mutigen Männern teilweise mit bloßen Händen in den Trümmern nach Überlebenden suchte. „Mein Vater hat niemals so richtig über den Tag gesprochen“, erinnert sich Anke Holz. Nur wenig ließ der immer so besonnene Mensch aus sich raus.

  Da war das kleine Kind, das vom eigenen Vater aus Verzweiflung vom First eines der brennenden Häuser geworfen wurde. Da waren die vielen bekannten Gesichter unter den Opfern. „Er hat diesen Tag nie vergessen“, so Tochter Anke. „Aber trotz allem war die Freiwillige Feuerwehr sein ein und alles.“ Und diese Treue hielt sogar noch auf seinem letzten Weg.