Arbeit und Ärger fallen aus dem Blätterdach

rnStraßenbäume in Unna

Bäume bringen Schatten und frische Luft. Sie bringen aber auch Dreck, Arbeit und Ärger. In Unna erzählt ein Beschwerdebrief an die Stadt vom schwierigen Verhältnis zwischen den Bürgern und den Bäumen.

Unna

, 15.08.2018 / Lesedauer: 3 min

Den Traum vom Eigenheim muss sich das Paar anders vorgestellt haben: Im Herbst vergangenen Jahres war es nach Unna gezogen, um sich gleich an die Modernisierung der Immobilie zu machen. Nach dem Herbst kam der Winter, nach dem Winter kam der Frühling. Er kam mit großer Wucht und brachte den Neubürgern ein unerwartetes Ärgernis. Vor ihrem Haus an der Hertingerstraße stehen stattliche Linden. Sie bringen Schatten und ein erträgliches Klima. Aber sie sie bringen auch eine klebrige Mischung aus Pollen und Blütenblättern, aus Laub und aus dem „Honigtau“, den Larven aus dem Blätterdach herabfallen lassen. Was die Tauben und Krähen herabfallen lassen, ist nicht angenehmer.

Jetzt sehen die Neubürger, die nun mit einem Antrag an die Stadt herangetreten sind, auch die Arbeit, die ihnen die Bäume bereiten. Ein neu aufgestellter Zaun ist von den klebrigen Abfällen des Baumes unansehnlich geworden. Schattenwurf lässt den Rasen verkümmern. Öfter als gedacht muss das künstliche Licht angeschaltet werden, weil die Bäume die Sonne aussperren. Mensch und Tier tragen ständig Blätter ins Haus. Laub verstopft die Regenrinne. „Wie sieht das bei Sturzregen mit einem guten Abfluss aus? Haben wir dann Wasser im Keller?“, fragen sie sich.

Die Anregung, die das Paar in einem Bürgerantrag an die Stadt heranträgt, ist vermutlich nicht praktikabel. Sie schlagen vor, die Linden einzukürzen. Das würde dem Umgang der Stadt mit ihren Bäumen widersprechen. Nach dem Fall der Baumschutzsatzung für die Bürger hatte sie sich verpflichtet, selbst noch an den alten Regeln festzuhalten. Die Linden einzukürzen würde die Bäume gefährden, warnt Ralf Calovini, Bereichsleiter für Grünpflege bei den Stadtbetrieben.

Unnas Baumexperte hält wenig von derlei Ideen und kann auch den Anlass dafür nur eingeschränkt nachvollziehen. „Wasch mir den Rücken, aber mach mich nicht nass“, kommentiert er das Ansinnen, die Linden zu beschneiden. Der Mensch wünsche sich Natur. Dass aber Bäume auch Blätter verlieren und sich Vögel darin einnisten, seien schlichtweg „Ereignisse der Natur“.

Diese Natur übrigens erweist sich zurzeit als erfreulich robust. Den trockenen Sommer überstehen die Bäume in Unna erstaunlich gut. Verfrühten Laubabwurf kann Calovini nicht ausmachen. „Das scheint mir in früheren Jahren sogar schon schlimmer gewesen zu sein“, ordnet er die derzeitigen Zustände ein.