Arbeitergarten Zeche Zollern ist kunstvoll auf andere Art

Serie Gartenkunst - Folge 2

Seit mehr als 100 Jahren steht der Arbeitergarten am Rande der Zeche Zollern in Dortmund. Dort, wo bis in die 50er-Jahre und bis zur Schließung der Zeche Gemüse, Kräuter und Obst zur Selbstversorgung angebaut und geerntet wurden, steht heute ein Denkmal der Industriekunst – das Besucher authentisch in die Zeit der Gärten zur Zeit des Kohleabbaus zurückversetzt.

DORTMUND

, 30.07.2017 / Lesedauer: 3 min
Arbeitergarten Zeche Zollern ist kunstvoll auf andere Art

Der Blick auf den Arbeitergarten Zeche Zollern, an den Bienenstöcken vorbei auf Gemüsebeet und die Hühner hinten.

Ein Haus- und Familiengarten, eine Flaniermeile zum Prahlen sollten die Gärten nie sein. Versteckt hinter dem Wohnhaus der technischen Vorgesetzten, links des Eingangs zum Museum, zwängt sich der Arbeitergarten zwischen Stall und eine große Halle. Er hat längst nicht mehr die große Fläche von damals, als die vier Parteien, die im Haus wohnten, sich das Grün teilten.

Der Stall, in dem früher Schweine, Ziegen und Hühner gehalten wurden, ist leer. Hühner gibt es dafür wieder in einem Gehege am linken Rand es Gartens, in Verlängerung von Spinat, Kohl und Salat. Ersterer ist erst vergangene Woche gepflanzt worden.

Kunstvolle Authentizität auf Zeche Zollern

Bevor Besucher aber zum Gemüsebeet, das auch Mangold, Wirsing, Kohl, Lauch, Möhren, auch sehr markante Stangenbohnen beherbergt, gelangen, müssen sie an den Kräutern vorbei. Die flankieren den schmalen Weg zum Beet, gemeinsam mit einer Regentonne vor dem Stall. Es sind die gleichen Kräuter, die schon früher geerntet wurden – Oregano, Schnittlauch, Koriander und auch Rosmarin.

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Arbeitergarten auf Zeche Zollern

Seit mehr als 100 Jahren steht der Arbeitergarten am Rande der Zeche Zollern in Dortmund. Dort, wo bis in die 50er-Jahre und bis zur Schließung der Zeche Gemüse, Kräuter und Obst zur Selbstversorgung angebaut und geerntet wurden, steht heute ein Denkmal der Industriekunst – das Besucher möglichst authentisch in die Zeit der Gärten zur Zeit des Kohleabbaus zurückversetzt.
30.07.2017
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Der Arbeitergarten auf Zeche Zollern. Vorne die große Wiese, dahinter das Gemüsebeet und links der Stall.© Foto: Stolz
Einige Meter weiter links sind die Bienenstöcke, zwischen ihnen und dem Gemüsebeet steht ein einsamer Apfelbaum.© Foto: Stolz
Mitten im Gemüsebeet wurde erst in der vergangenen Woche Spinat angepflanzt. Rechts Mangold, links Kräuter.© Foto: Stolz
Einen Schritt weiter nach rechts ist der Mangold in voller Blüte bestens zu erkennen.© Foto: Stolz
Hier sind die Kräuter aus nächster Nähe zu sehen. Neben Rosmarin sind auch Oregano, Schnittlauch und Koriander zu finden.© Foto: Stolz
Einige Meter weiter bildet der Rharbaber eine natürliche Sackgasse im Arbeitergarten. Über ihn hinweg kann man den Blick zum Gemüse schweifen lassen.© Foto: Stolz
Perspektivwechsel: Mit dem Rücken zu den Hühnern ist zu sehen, dass nicht der ganze Garten bestückt ist. Direkt an den Garten grenzt eine große Halle.© Foto: Stolz
Einmal umgedreht, laufen die Hühner wie wild umher. Nur, wer sich auf die Lauer legt, kann einen Blick auf sie erhaschen.© Foto: Stolz
Tristan Pfeil ist eine von drei Personen, die sich um den Arbeitergarten auf dem Gelände des LWL-Industriemuseums Zeche Zollern kümmern.© Foto: Stolz
Die Stangenbohnen inmitten des Arbeitergartens sind ein echter Blickfang. © Foto: Stolz

„Wir haben nur die Sorten genommen, die auch authentisch sind“, erklärt Tristan Pfeil, eine von drei Personen, die sich um den Arbeitergarten kümmern. Und gerade die Authentizität macht den Garten zu einem Moment der Landschaftsarchitektur, weil er sich die ehemalige Industriefläche auf Zeche Zollern zunutze macht.

„Es ist kunstvoll, weil es nicht um jeden Preis schön sein soll“, sagt Pfeil, „wenn es sauber bepflanzt ist, ist es auch sehr schön.“ Nur eben auf eine ganz andere Art.

Bienen sind für Arbeitergarten ein Gewinn

Der Garten ist klar strukturiert, typisch europäisch. Ein einziger Apfelbaum hat sich auf eine Wiese, die durch einen Weg vom Gemüse getrennt ist, verirrt. Daneben stehen drei Bienenstöcke. Die gab es damals nicht, vereinfachen aber heute die Arbeit.

„Die hat ein Imker hier aufgestellt – für uns ein echter Gewinn“, so Pfeil. Was er meint, ist die Bestäubung der Pflanzen. Auf der Wiese, die an eine große Halle grenzt, steht auch ein zwei Meter hoher eiserner Wäscheständer. Ansonsten ist sie ungenutzt.

Klarer Plan mit Arbeitergarten auf Zeche Zollern

Das war vor der Jahrtausendwende anders. Bis dahin gab es noch eifrige Mieter im Haus. Als das LWL-Museum vor mehr als zehn Jahren den Garten übernahm, wurde dieser umgepflügt und Erdreich abgetragen, da befürchtet wurde, dass der Garten aufgrund der Nähe zur Kokerei Hansa belastet ist.

Seitdem wurde der Garten in seine ursprüngliche Form gebracht. „Man merkt schon, dass der Garten heute nicht mehr zu substanziellen Zwecken angelegt ist“, spricht Pfeil aus, was auch Besucher schnell erkennen. „Der Plan war trotzdem, es möglichst exemplarisch zu halten.“

Noch zwei Führungen finden 2017 im Arbeitergarten (Grubenweg 5, Dortmund-Bövinghausen) statt, am 19. August und 16. September um 15 Uhr. Eine Voranmeldung ist nicht nötig, Teilnehmer an der Führung zahlen den Eintritt ins Museum (4 Euro, 2,50 Euro ermäßigt). Eine Verkostung ist inklusive.

 

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