Arbeitsloser Tischler im Konflikt mit dem Jobcenter

Kein Lehrgang, kein Job

Armin (*) will arbeiten. Und könnte das eigentlich auch. Was ihm fehlt, ist ein Lehrgang - dann kann der gelernte Tischler im Februar eine unbefristete Stelle antreten. Diesen Lehrgang will ihm das Jobcenter jedoch nicht bewilligen. Ein schwerer Vorwurf.

Bochum

, 04.10.2014, 12:29 Uhr / Lesedauer: 2 min
Arbeitsloser Tischler im Konflikt mit dem Jobcenter

Das Jobcenter in Bochum.

Alles super, wenn der Vertrag nicht einen wichtigen Zusatz enthalten würde. Armin muss vorher den Lehrgang „Fachkaufmann für Handwerkswirtschaft“ nachweisen. „Die Teilnahme kostet 1350 Euro, dazu weitere 260 Euro für die Prüfung“, sagt Armin im Gespräch mit unserer Redaktion. Geld, das er aber nicht hat – und auch nicht auftreiben kann. Schon seit Wochen muss der Bochumer jeden Cent mehrfach umdrehen, weil er von seinem bislang letzten Arbeitgeber seit Juli keinen Cent gesehen hat. Seine einzige Hoffnung ist deshalb ein Bildungsgutschein. „Tischler sind gefragt“, sagen die Pressesprecher von Agentur von Arbeit und Arge auf Anfrage unserer Zeitung direkt am Anfang der Gespräche. Johannes Rohleder, Pressesprecher des Jobcenters, ergänzt: „Es gibt keine Notwendigkeit, die Ausbildung aufzustocken.“

Er verweist auf die Steuergelder, mit denen gerade auch bei Bildungsgutscheinen besonders sorgfältig umzugehen sei. Und er hat ein weiteres wichtiges Argument, das eine Genehmigung unmöglich macht: „Der Lehrgang ist nicht zertifiziert.“ Arbeitsagentur und Jobcenter hätten ihn „systematisch für dumm verkauft“, sagt ein sichtlich aufgewühlter und enttäuschter Arbeitsloser. Er hat auch Gründe für diese Vorwürfe. Erst sei die Arbeitsagentur zuständig gewesen, dann das Jobcenter und später wieder die Arbeitsagentur. „Ja, das stimmt“, sagt Johannes Rohleder – und steigt mit ausdrücklicher Genehmigung des Betroffenen tiefer in den Fall ein. Er sei zwischenzeitlich an das Jobcenter verwiesen worden, weil seine Lebenspartnerin hier eine Unterstützung beantragt habe. Mit der Rücknahme des Antrags habe die Zuständigkeit wieder gewechselt.

Nicht unerwähnt lässt der Pressesprecher des Jobcenters einen weiteren Punkt: Dem Betroffenen sei danach von der Agentur für Arbeit ein Gesprächstermin angeboten worden. Den habe Armin jedoch nicht wahrgenommen. Johannes Rohleder sieht den Betroffenen in der Pflicht. Auf die Frage, ob bei einem eventuellen Gespräch in der Agentur für Arbeit dem Mann geholfen und ihm ein Lehrgang angeboten werden könne, antwortete Rohleder auch auf wiederholte Nachfrage ausweichend. Am Ende brachte es der Pressesprecher auf den Punkt. „Das liegt im Ermessen des Arbeitsvermittlers. Man muss im Einzelfall schauen.“ Für Armin stehen damit die Chancen schlecht, nach Jahren voller Enttäuschungen und Rückschläge endlich den Wiedereinstieg in ein geregeltes Berufsleben zu finden – und damit auf staatliche Leistungen verzichten zu können. (*) Name der Red. bekannt

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