Arche Noah bietet Schutz im Hochwasserrückhaltebecken

Serie Emscherkunst - Folge 16

Es gehört nicht nur zu den Neuheiten der Emscherkunst, sondern ist wohl auch das polarisierendste Werk der gesamten Ausstellung: Nevin Aladags "Wellenbrecher" im Hochwasserrückhaltebecken an der Grenze von Dortmund und Castrop-Rauxel schwanken zwischen schutzspendenden Elementen und bedrohlich wirkenden Militärgegenständen - je nachdem, welchen "Standpunkt" der Betrachter einnimmt.

DORTMUND/CASTROP-RAUXEL

, 21.08.2016, 17:19 Uhr / Lesedauer: 2 min

"Wir haben darüber im Kuratorenteam ausführlich diskutiert. Manche Menschen haben verärgert reagiert und gefragt, wie man so etwas Brutales in diese schöne Landschaft setzen kann. Aber wir sind zu dem Schluss gekommen, dass es nichts Zerstörerisches, sondern vielmehr eine Schutzfunktion hat", sagt Simone Timmerhaus, Co-Kuratorin der Emscherkunst-Ausstellung.

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Emscherkunst Areal Hochwasserrückhaltebecken

Das Hochwasserrückhaltebecken Dortmund-Mengede an der Stadtgrenze Castrop-Rauxel ist eines der interessantesten Areale der Emscherkunst 2016. Hier hat sich eine sehr vielfältige, faszinierende Flora und Fauna entwickelt. Dazu gibt´s preisgekrönte Architektur und ein spektakuläres Kunstprojekt.
01.06.2016
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Das Kunstwerk "Wellenbrecher" von Nevin Aladag ist sehr beeindruckend. Die 60 Poller vollziehen den Umriss der Arche Noah nach, deren Abdruck angeblich auf dem Berg Ararat in der Türkei gefunden wurde. © Foto: Mensing/Emscherkunst
Je nach Lichtstimmung wirkt das Kunstwerk anders. © Foto: Jäger
Das Drosselbauwerk schützt vor Hochwasser. Wenn sich die Becken füllen, können die Tore geschlossen werden. Die Anlage mit Turm hat den Westfälischen Preis für Baukultur gewonnen.© Foto: Jäger
Der Emschertalhof auf dem Gelände ist schön restauriert worden.© Foto: Jäger
Überall wachsen wilde Blumen. © Foto: Jäger
In diesem Gestell werden die Besucher über die archäologischen Funde auf dem Gelände informiert. © Foto: Jäger
Über eine lange Holzbrücke ist das Ausstellungsgelände zu erreichen. © Foto: Jäger
Das Gebäude nach einem Entwurf von Christian Moczala ist sehr extravagant. © Foto: Jäger
"Gesellschaft der Amateur-Ornithologen" heißt das Kunstwerk von Mark Dion, das es schon zur Emscherkunst 2010 gab. Jetzt hat es einen perfekten Platz - in dem Becken leben viele seltene Vögel. © Foto: Jäger
Das Innere ist sehr gemütlich eingerichtet. © Foto: Jäger
Es blüht und grünt in den großen Becken.© Foto: Jäger
Auch am Rand des Radweges blühen wilde Blumen.© Foto: Jäger
Hier entsteht der "Black Circle Square". Das Werk von Massimo Bartolini wird erst im August fertig. © Foto: Jäger
Ein typisches Problem der Emscherkunst 2016: Weil der Bau des großen Abwasserkanals fortschreitet, wird es Umleitungen geben müssen. © Foto: Jäger

Dass dies einigen Besuchern widerstrebt, kann Timmerhaus allerdings verstehen. Schließlich wecken die mehr als zwei Meter hohen "Beton-Tetrapoden", die bereits im März hier aufgestellt wurden, gerade aus der Nähe betrachtet durchaus die Assoziation von "Panzersperren", die im militärischen Bereich zum Schutz vor Invasionen eingesetzt werden. Ein martialischer Aspekt, der letztlich jedoch auch den Schutzgedanken in sich trägt.

Konturen vom Berg Arafat

Tatsächlich will Nevin Aladags Werk jedoch alles andere als militaristisch sein. Ganz im Gegenteil: Wer die Installation aus größerer Distanz - vorzugsweise von einem höher gelegenen Standpunkt aus - betrachtet, erkennt sofort, dass es sich bei den Wellenbrechern nicht um eine zufällige Anordnung der einzelnen Elemente handelt. Die Form erinnert an ein Schiff mit breitem Deck und jeweils spitz zulaufendem Heck und Bug.

Es sind die einst angenommenen Konturen der Arche Noah, die der Künstlerin als Vorlage gedient haben - so, wie sie ein armenischer Pilot 1960 auf dem Berg Arafat in der Türkei entdeckt zu haben glaubte. Ein Irrtum, wie sich später herausstellte. Als Grundlage für eine Installation solch riesigen Ausmaßes dennoch bestens geeignet - blieb doch die Geschichte um die in verschiedensten Kulturen und Religionen präsente Arche Noahs nach wie vor unberührt.

Deutung als Mahnmal

Und die Parallelen zwischen Arche und Hochwasserrückhaltebecken sind fast schon banal und nicht schwer zu finden. Den Schutz vor Katastrophen - in diesem Fall die Überflutung - haben schließlich beide gemeinsam. Die Interpretationsmöglichkeiten von Aladags Werk reichen allerdings noch deutlich darüber hinaus - bis hin zu einem Mahnmal, das auf die durch den Bergbau vom Menschen betriebene Ausbeutung der Natur verweist. Und mancher Betrachter mag die Arche angesichts solcher Aspekte wie der Hoffnung auf einen Neuanfang nach der Katastrophe oder den Status des Auserwählten sicherlich auch mit der Flüchtlingssituation in Verbindung bringen.

Zu welchem Schluss er auch kommen mag und wie auch immer er es betrachtet - kritisch, begeistert, von nah oder fern - eines ist das Werk mit Sicherheit nicht: langweilig.