Arne Nobel arbeitet an einem Festival in Bochum

Nach der Auszeit

Entspannt sitzt Arne Nobel auf einem Dachbalkon an der Rottstraße 5. Hier hat er das jüngste Bochumer Off-Theater mitgegründet und bis zur Selbstaufgabe betrieben. Bis zum Burn Out Ende vergangenen Jahres. Er hat ihn überstanden und arbeitet jetzt sogar wieder in Bochum – unter anderem.

BOCHUM

von Von Max Florian Kühlem

, 15.08.2012, 10:47 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als dort die Kunst in den Hintergrund und der Kampf gegen die Finanznot und den privaten Ruin auf mehreren Ebenen in den Vordergrund rückte, zog Arne Nobel die Reißleine. Er machte eine Kur im Weserbergland, wo der Zufall es wollte, dass der Klinikchef seine Kunst kannte: „Der ist genial, den müssen wir wieder hinkriegen“, soll er gesagt haben. Er hat den Künstler wieder hingekriegt und sein Weg führte ihn unter anderem nach Hamburg, Bremen und München. „Ich habe Kunst und Theater geguckt, Freunde besucht, Kraft getankt, in München angefangen zu malen“, erzählt Arne Nobel, „alles, wofür ich vorher keine Zeit hatte.“ Doch dem Lockruf der Bühne konnte er sich nicht allzu lange verschließen. Nobel spielte Gastspiele seines Solos „Troja III“, eine harte Geschichte, die vom Kriegsheimkehrer Odysseus erzählt. Und dann wurde er auf einmal wieder zum Piraten: Auf der 9000 Quadratmeter großen Freilichtbühne in Grevesmühlen spielt er an der Seite von Martin Semmelrogge („Dem darf ich jeden Abend eine runterhauen!“) den Piraten Ben Gun. Vor 1500 Zuschauern, oft Familien, die ihren ganzen Tag dort verbringen.

„Das ist das, wo wir herkommen, ganz ursprüngliches Theater“, findet Arne Nobel, „und eine unglaublich anstrengende, körperliche Erfahrung.“ Die Freilichtspiele kommen sogar eher seinem sinnlichen Theaterbegriff entgegen: „Das Stadttheater ist ja eher eine bürgerliche Erfindung“, sagt er. So tankt er an der Ostsee Kraft für weitere Projekte wie das Festival „Kein Raum der Gewalt“ in der Christuskirche. Zu dem nun zwar doch nicht Maren Eggert und Peter Jordan kommen. Zu dem aber Regie-Legende Jürgen Kruse das Plakat malt und dessen Programm namhafte Bochumer Künstler wie den Maler Stephan Geissler, Raumkünstlerin Monika Ortmann, Fotografin Birgit Hupfeld oder die Schauspieler Thomas Anzenhofer, Oliver Möller und Magdalena Helmig gestalten. Auch die Antikriegs-Trilogie „Troja“ aus dem Rottstr5-Theater wird zu sehen sein, mit einer umgeschriebenen ersten Folge. Trotz guter Zusammenarbeit schließt Arne Nobel eine Rückkehr ans Theater aus. Das wäre ein Schritt zurück – und den tut er ungern.