Arzt und Juristin äußern sich zu Netter ADHS-Fall

Feuerwehrmann für untauglich erklärt

Ein Arbeitsmediziner hat einen 20-jährigen Ehrenamtlichen aus dem Löschzug Nette für untauglich erklärt, weil er ADHS hat. Wir haben mit einem Bundesfeuerwehr-Arzt und einer Juristin des Bundesverbandes "ADHS Deutschland" über den Fall gesprochen.

NETTE

, 12.05.2016, 02:58 Uhr / Lesedauer: 1 min

ADHS-Patienten leiden unter Konzentrationsschwäche und Impulsivität, wenn sie nicht richtig behandelt werden. Jerome Bürger war trotz ADHS schon seit acht Jahren bei der Freiwilligen Feuerwehr Nette aktiv - ohne Zwischenfälle. Jetzt darf er am Einsatzdienst und an Übungen nicht mehr teilnehmen, weil er offen von seiner Krankheit sprach.

Der Bundesfeuerwehr-Arzt Dr. Klaus Friedrich aus Nürnberg hält die Entscheidung des Arbeitsmediziners für falsch: „In der arbeitsmedizinischen Untersuchungsvorschrift G 26.3 wird ADHS nicht einmal erwähnt“, sagte der Mediziner am Mittwoch auf Anfrage, „wenn eine Person richtig eingestellt ist, sehe ich kein Problem für den Einsatz bei der Feuerwehr.“

Auch eine Juristin äußert sich

Dr. Klaus Friedrich ist als Bundesfeuerwehr-Arzt auch Berater für alle Feuerwehren zu Tauglichkeits-Fragen. Er wirkt in Feuerwehr-Gremien mit und ist Spezialist für Rettungsdienst und Notfallmedizin. Seine Einschätzung zu ADHS sei der Dortmunder Feuerwehr bekannt, sagte ein Sprecher am Mittwoch überraschend.

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Auch eine Juristin des Bundesverbandes „ADHS Deutschland“ äußerte sich zu dem Fall: „ADHS bedeutet nicht, dass ein Mensch seinen Beruf oder seinen Alltag nicht bewältigen kann. Wer gut eingestellt ist, kann – wie jeder andere auch – am Leben teilnehmen und Leistung zeigen“, sagte Vorstandsmitglied Isabel Streif.

ADHS-Patienten per se als ungeeignet einzustufen, sei falsch. Eignung oder Untauglichkeit für einen Beruf seien ohne Einzelfallprüfung nicht festzustellen. Sie verweist darauf, dass gesellschaftlich anerkannte Leistungsträger wie Schauspieler, Akademiker und Leistungssportler mit ADHS leben würden. Die Feuerwehr wartet jetzt einen Bericht des Arbeitsmediziners ab. 

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