"Atomic Blonde": Charlize Theron spielt kampflustige Agentin

Neu im Kino

Das Szenario entführt uns ins Jahr 1989, als die Welt noch übersichtlich war. Dort die Roten, hier der freie Westen. In keiner Stadt lagen die konkurrierenden Systeme so dicht beieinander wie an der Spree. „Atomic Blonde“ ist ein kühler, extrem stylisher Agententhriller aus einem Fantasia-Berlin der Wendezeit.

BERLIN

, 22.08.2017, 15:24 Uhr / Lesedauer: 2 min
"Atomic Blonde": Charlize Theron spielt kampflustige Agentin

Ab Donnerstag im Kino: Lorraine Broughton (Charlize Theron) hält in Berlin Ausschau nach ihren Informanten.

Es kommt Bewegung in die starren Fronten. Reagan spricht den berühmten Satz, Gorbatschow möge die Mauer niederreißen, es gärt und brodelt in der Stadt. In diesen Hexenkessel schickt der britische Geheimdienst seine Top-Kraft Lorraine Broughton, die ein Desaster verhindern soll.

Einer ihrer Kollegen wurde getötet, er hatte eine Liste mit Klar- und Decknamen sämtlicher Spione. Nicht auszudenken, was passierte, wenn Russen oder Stasi an die Liste kämen.

Charlize Theron als Agentin Lorraine

Gespielt wird Lorraine von Charlize Theron. Lorraine kuriert die Blutergüsse vom Einsatz per Eisbad, tarnt ihr Veilchen mit einer Brille – und verwandelt sich wieder in das Luxusweib von Model-Schönheit. Sie ist so kühl, an sie kommt niemand ´ran.

Vor der Kamera, da zeigt sie, was sie kann: Kaum in Berlin gelandet, vermöbelt sie ihren Nebenmann im Wagen, ringt mit dem Fahrer, provoziert einen Unfall und entsteigt dem Wrack, als sei es die einfachste Übung der Welt. Gestatten, Bond. Jane Bond! Theron (agil und fit) gibt die sexy Blondine, die bei Bedarf zur Kampfmaschine wird, dann ist sie pures Dynamit.

Bedarf besteht genug. Der Film von David Leitch bietet eine Parade hochkarätig inszenierter und choreografierter Action-Sequenzen, in denen die Amazone vom MI 6 acht, zehn Kerle eliminiert, Martial-Arts-Tritte und Blattschüsse verteilt wie Keanu Reeves als „John Wick“.

Comic als Vorlage für "Atomic Blonde"

„Atomic Blonde“ basiert auf einem Comic, wo Kampfsport nicht selten die vitalste Lebensäußerung der Figuren ist. So auch hier: Wenn sie durch hippe New Wave-Clubs driftet, wirkt Lorraine wie eine bewegte Schaufensterpuppe, eine gefroren künstliche Gestalt in einem artifiziellen Comic-Ambiente.

Das gilt sogar für ihre Schäferstündchen mit einer rassigen Französin (Sofia Boutella). Die Mauerstadt ist eine Kulisse aus Chic, Zerfall, Dekadenz, ein geträumtes Berlin, ein Neon-Pop-Märchen im Geiste David Bowies, der auf dem 80er-Jahre Soundtrack (New Order, Falco, Siouxsie, Nena, Kim Wilde) nicht fehlen darf.

Schön anzuhören und anzusehen. Letztlich triumphiert aber Stil über Story: Wer hier wen aufs Kreuz legt - James McAvoy und John Goodman sind auch dabei -, ist uns vor lauter Plot-Purzelbäumen bald piepegal. 

 

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