Attacke auf Schüler: Eltern in großer Sorge

Euskirchener Schule

Bei einem Streit um ein Kartenspiel wurde ein Zwölfjähriger an einer Euskirchener Schule lebensgefährlich verletzt. Der Tatverdächtige ist jünger als 14 Jahre und somit strafunmündig. Die Polizei sucht dennoch nach weiteren Augenzeugen - bislang mit wenig Erfolg. Der Elternverein NRW fordert eine gründliche Untersuchung der Ereignisse. Jetzt äußert sich auch die Schulleitung.

EUSKIRCHEN

26.09.2016, 13:11 Uhr / Lesedauer: 2 min
Bei einer Prügelattacke in dieser Gesamtschule in Euskirchen ist ein zwölfjähriger Junge lebensgefährlich verletzt worden. Foto: Marius Becker

Bei einer Prügelattacke in dieser Gesamtschule in Euskirchen ist ein zwölfjähriger Junge lebensgefährlich verletzt worden. Foto: Marius Becker

Im Fall des mutmaßlich von einem anderen Jungen lebensgefährlich verletzten Zwölfjährigen in Euskirchen hoffen die Ermittler weiter auf Informationen. Bisher haben sich keine weiteren Augenzeugen gemeldet. 

Der Zwölfjährige hatte am Donnerstag lebensgefährliche Verletzungen erlitten, wohl bei einer Prügelattacke. Der Verdacht richtet sich gegen einen unter 14-jährigen Mitschüler. "Wir haben mit ihm gesprochen, aber da er strafunmündig ist, dürfen wir zum Inhalt nichts herausgeben." Auch wenn sich der Verdacht erhärten sollte, müsste sich der Täter wegen seines Alters dennoch nicht strafrechtlich verantworten. In zivilrechtlicher Hinsicht könne das allerdings anders aussehen, so Robin Fassbender, Sprecher der Bonner Staatsanwaltschaft. "Die Schadenersatzpflicht setzt früher ein als mit 14 Jahren."

Zusätzlich wurde das Jugendamt eingeschaltet. Durch das Jugendamt oder einen Vormundschaftsgericht kann den Eltern das Sorgerecht entzogen werden.

Strafunmündigkeit
Unter 14-Jährige gelten als strafunmündig.
Hat ein Straftäter das 14., aber noch nicht das 18. Lebensjahr vollendet, gilt er als Jugendlicher und damit als „bedingt strafmündig“. Sachverständige prüfen dann meist in einem Prozess, ob der Angeklagte sittlich und geistig reif genug ist, um das Unrecht seiner Tat einzusehen.
„Voll strafmündig“ ist man vom 18. Lebensjahr an. Bei Straftätern, die zur Tatzeit das 21. Lebensjahr nicht vollendet haben, wird allerdings geprüft, ob Jugendstrafrecht oder allgemeines Strafrecht anzuwenden ist.

Das sagt die Schulleitung

Die Schulleitung hat sich von dem Vorfall schockiert gezeigt: "Wir sind zutiefst erschrocken und betroffen von dem schlimmen Vorfall an unserer Schule und hoffen, dass es unserem Schüler bald wieder besser geht", heiß es auf der Homepage der Gesamtschule. "Seine Eltern unterstützen wir in jeder Hinsicht und sie haben unser vollstes Mitgefühl."

Um Sorgen und Ängste der Schüler aufzufangen, sollte in allen Klassen ein spezieller Tutorenunterricht erteilt werden. Man unterstütze die Ermittlungen, könne und dürfe sich aber öffentlich nicht zum Geschehen äußern. Allerdings wurden kritische Fragen in Richtung Schule laut.

Die Vorsitzende des Elternvereins NRW, Regine Schwarzhoff, forderte: „Es muss eine gründliche Untersuchung geben, ob hier nicht in erheblicher Weise die Aufsichtspflicht verletzt worden ist.“ Eine Sprecherin der Bezirksregierung erläuterte, Aufsichtspflicht bedeute nicht, dass Lehrer auf dem Schulgelände oder in den Aufenthaltsräumen „jeden Winkel im Blick haben müssen.“ Allerdings seien noch viele Gespräche mit der Schule zu führen, viele Details seien bisher ungeklärt und der Fall noch nicht abgeschlossen.

Eltern in Sorge

Die Elternvereins-Vorsitzende sagte, dass es zu einem solchen Vorfall sich auf dem Schulgelände kommen könne, sei unfassbar. „Viele Eltern sind in Sorge, ob sie ihr Kind nach der Schule heile zurückbekommen.“ Von der Frage, wie übersichtlich ein Schulgelände sei, müsse die Schulleitung abhängig machen, wie viele Lehrkräfte sie als Aufsicht einteile. Grundsätzlich sei eine „erschreckende Verrohung“ und ein „Verlust von Anstand“ zu beobachten, kritisierte Schwarzhoff. Familien und auch Schulen müssten das stärker thematisieren. Die Bezirksregierung schickte einen Krisenbeauftragten in die Gesamtschule. Zudem waren mehrere Schulpsychologen vor Ort. 

Der Schüler war während der Schulzeit und auf dem Schulgelände verprügelt worden, sagte Robin Faßbender. Aber: "Wir haben keine Hinweise darauf, dass das Geschehen von einem Lehrer beobachtet wurde." Die Bezirksregierung Köln als Schulaufsicht wollte sich noch im Tagesverlauf zu dem Fall äußern. Das Opfer liegt nach Angaben der Staatsanwaltschaft nach "massiver Gewalteinwirkung auf den Körper mit schwersten Verletzungen" im künstlichen Koma in einer Kölner Klinik.

Das Opfer selbst habe sich am Donnerstag bei einer Lehrerin gemeldet, weil es sich sehr unwohl gefühlt habe, schilderte Faßbender. Diese habe einen Notarzt gerufen. Dem Jungen seien seine schweren Verletzungen äußerlich nicht anzusehen gewesen. Die Polizei war nach eigenen Angaben erst von Ärzten in Euskirchen eingeschaltet worden, nicht aus dem Lehrerkollegium heraus.

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von dpa

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