Auf der Spur von Karla Goldberg

Jüdisches Leben

Sie wurden zum Fremden in der eigenen Heimat gemacht, musste schließlich fliehen, um ihr Leben zu retten – so erging es der Bochumer Jüdin Karla Goldberg. Eine Ausstellung im Stadtarchiv zeichnet die Spur der in die Emigration gezwungenen Familie nach.

BOCHUM

von Vin Ines Eckermann

, 08.04.2011, 17:40 Uhr / Lesedauer: 2 min
Auf der Spur von Karla Goldberg

Linda, Eden und Gary Goldberg wandeln auf den Spuren ihrer Vorfahren.

Von einer Sache konnte und wollte sich Karla Goldberg bei der Flucht nicht trennen: Ein bronzener Löwe - das einzige Überbleibsel der niedergebrannten Synagoge. Wie einen kostbaren Schatz schmuggelte sie die metallene Statuette in ihrem Akkordeonkoffer nach Frankreich, als die Familie 1939 zur Flucht gezwungen war. Viele Jahrzehnte später übergab Karla der Bochumer Synagoge ein Duplikat der für sie so wichtigen Figur. Das Original sollte den Familienbesitz nicht verlassen. „Der Löwe war so wichtig für meine Mutter, weil er ein Symbol für die Zeit vor dem Brand war“, erklärt Gary Goldberg.

Seine Mutter hatte die schlimmen Ereignisse nie ganz verwinden können, versuchte alle Wurzeln zu Bochum in sich abzutöten, hörte nach ihrem Umzug nach Kanada für immer auf deutsch zu sprechen. Bei Garys Tochter Eden ist nichts mehr übrig von den nur allzu verständlichen Vorbehalten ihrer Großmutter gegen über den Deutschen: „Die Menschen tun was sie können, um nicht zu vergessen.“ Die junge Frau erlebt heute in Deutschland ein ganz anderes Klima als ihre Großmutter: Eden fühlt sich willkommen. Die Ausstellung zeigt ihr fern der kanadischen Heimat ein Stück ihrer eigenen Identität. „Ich freue mich, dass das Leben meiner Großmutter mit dieser Ausstellung gewürdigt wird“, meint die 20-Jährige unter Tränen - denn Karla Goldberg ist erst kürzlich verstorben.