Auf die harte Tour: Das Westfälische Landestheater feiert seine 75. Spielzeit

CASTROP-RAUXEL Kein Theater hat es heute leicht. Aber das Westfälische Landestheater in Castrop-Rauxel hat es noch ein bisschen schwerer. Das WLT arbeitet mit einem Gesamtetat von 3,9 Millionen Euro. Zum Vergleich: Am Essener Theater streitet man sich gerade über eine Finanzierungslücke (!) von 3,4 Millionen. Also: Dass es das WLT nach 75 Spielzeiten immer noch gibt, beweist den Triumph der Kunst über die Wirklichkeit.

von Von Bettina Jäger

, 19.03.2009, 17:16 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Theaterchef nahm sofort den Kampf auf, stürzte sich bei einer öffentlichen Veranstaltung - vorbei an zwei Leibwächtern - auf den Bundespräsidenten Rau und bat ihn um Hilfe. Den damaligen NRW-Ministerpräsidenten Peer Steinbrück passte er auf dem Gang einer Kongresshalle ab. Lohn des Mutes: Die Kürzung wurde auf 16,9 Prozent zurückgefahren, die Bühne überlebte.

Der Theaterchef nahm sofort den Kampf auf, stürzte sich bei einer öffentlichen Veranstaltung - vorbei an zwei Leibwächtern - auf den Bundespräsidenten Rau und bat ihn um Hilfe. Den damaligen NRW-Ministerpräsidenten Peer Steinbrück passte er auf dem Gang einer Kongresshalle ab. Lohn des Mutes: Die Kürzung wurde auf 16,9 Prozent zurückgefahren, die Bühne überlebte.

Und das ist auch gut so. Denn das WLT sitzt zwar in Castrop-Rauxel und spielt dort etwa 100 mal pro Jahr, aber seine Bestimmung liegt doch darin, Städte ohne eigenes Theater mit Kunst zu versorgen. Über 200 Gastspiele sind es jährlich für jene, die weit weg von jedem Stadttheater wohnen. Kunst gemacht wird in der kleinsten Stadthalle ebenso wie in der schäbigsten Schulaula. "Thalias Drückerkolonne" hat ein Kritiker die Truppe deshalb genannt. Ein bisschen arg bissig, denn das WLT bietet keinesweg Theater vom Grabbeltisch, sondern professionell gemachte Klassiker wie "Don Carlos", amüsante musikalische Produktionen wie "Der kleine Horrorladen" oder engagierte neue Stücke wie "Schwarze Jungfrauen". Seit Heindrichs Intendant ist, haben die Städte die Auswahl aus einem riesigen Repertoire. Dazu gibt´s ein großes Angebot für Kinder und junge Leute.

Wenn das WLT gastiert, rollen fünf Stunden vorher die Techniker an und holen die Kulissen aus einem Container, zwei Stunden vorher treffen die Schauspieler ein und gucken erst mal, wo auf der Bühne die Auf- und Abgänge sind. "Sonst rast man über die Bühne und plötzlich ist die Tür schon da", schmunzelt Heindrichs. Zurück geht´s tief in der Nacht. Wer beim WLT gespielt hat, den kann nichts mehr erschüttern. Das bleibt Theater auf die harte Tour.Fakten im ÜberblickDas WLT geht zurück auf das Westfälische Landestheater Paderborn, das sich 1933 in der NS-Zeit gründete.1968 etablierte Intendant Hans-Dieter Schwarze ein kritisches Volkstheater mit viel Brecht. Angela Winkler, Claus Biederstaedt, Günter Strack und Dieter Pfaff spielen in Castrop-Rauxel.Die 75. Spielzeit feiert das Theater am 22. März 2009 mit der (ausverkauften) Revue "Let´s have a party".

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