Auf Franziskus Wendels Gemälden ist Gefahr im Verzug

Ausstellung: Osthaus Museum

Durch einen Türspalt fällt schwaches Licht in einen dunklen Raum. Ein Doppelbett und Gardinen sind schemenhaft zu erkennen. Auf dem Nachttisch leuchtet eine Lampe. Gleich passiert etwas. Diesen Eindruck erweckt Franziskus Wendels Gemälde „Blind date 5“ – wie 26 weitere – in der Ausstellung „Zeitnah“ im Osthaus Museum Hagen. Nur was?

HAGEN

, 16.11.2015 / Lesedauer: 2 min
Auf Franziskus Wendels Gemälden ist Gefahr im Verzug

Unklar ist, was in der Situation auf Franziskus Wendels Gemälde „Blind date 5“ passiert. Ist Gefahr im Verzug?

Die Frage lässt der Künstler offen. Der 54-Jährige präsentiert im Osthaus Museum Hagen überwiegend Werke, die den Ausstellungsbesucher hinein ziehen in die Bilder mit filmischen Effekten – nur ein paar Stillleben stehen im Kontrast zu den situativen Malereien.

Die Gemälde konfrontieren den Betrachter mit nächtlichen Situationen: Schummeriges Licht scheint einen dunklen Treppenaufgang hinunter, ein schwach beleuchteter Pool im Garten einer Villa schimmert bläulich. Die Assoziation des Betrachters bestimmt, was dort geschieht.

Licht der Nacht

Alle Gemälde spiegeln Wendels Stil wieder, den seit den 1990er-Jahren ein zurückgenommener Farbauftrag und eine monochrome Farbpalette charakterisieren. So spielt Wendels mit dem Licht der Nacht. „Und nachts gibt es eben keine Farbe“, sagt der Direktor des Osthaus Museums, Tayfun Belgin.

Die wenige Farbe in den Gemälden stammt von schwachen Lichtquellen. Wendels spürt diese in realen Situationen auf. Ihre Effekte bringt er kraftvoll und abstrakt auf Leinwände.

Lack, Pigmente, Öl

Der 54-Jährige abstrahiert durch Unschärfe. Wie unscharfe Fotos wirken seine Bilder aus Lack, Pigmenten und teilweise Öl. „Die Unklarheit wirkt bedrohlich“, erklärt der Museumsdirektor. Jemand könnte sich hinter der geöffneten Tür oder den Gardinen versteckt haben und zum Vorschein treten.

Belgin fasziniert Wendels Kunst. Sie zeige nur gewisse Elemente von Orten, deren Hässlichkeit in der Dunkelheit nicht sichtbar ist. So entstehe eine Bildschönheit. „Ich kenne niemanden, der Dunkelheit so malen kann.“

Osthaus Museum Hagen: „Zeitnah“ von Franziskus Wendels, bis 10.1., Museumsplatz 3, Di-So 11-18 Uhr, Eintritt frei.