Auf Phoenix-West entsteht ein neues Kletterparadies

Alpenverein stellt Pläne vor

Seit 15 Jahren steht der denkmalgeschützte Hoesch-Gasometer auf Phoenix-West leer. Bis 2020 soll ein Kletterparadies für den Spitzen- und Breitensport in dem Industrie-Relikt entstehen. Jetzt hat der Alpenverein seine Pläne vorgestellt.

HÖRDE

, 20.10.2016, 11:04 Uhr / Lesedauer: 2 min
Auf Phoenix-West entsteht ein neues Kletterparadies

Blick unter das Dach des Gasometers auf Phoenix-West. In ferner Zukunft könnten hier auch berufliche Höhenkletterer Trainingsmöglichkeiten erhalten.

Auf Phoenix-West soll ein Hotspot für die Kletterszene im östlichen Ruhrgebiet entstehen, eine Kathedrale für nationale und internationale Kletterwettbewerbe und auf mittlere Sicht ein Olympiastützpunkt für die Sportart, die ab 2020 in Tokio olympisch wird. Das ambitionierte Projekt des Deutschen Alpenvereins (DAV) wird von Politik und Verwaltung gesichert. „Die Ampeln stehen eindeutig auf Grün“, sagten die beiden Dortmunder Sektionsvorsitzenden Dr. Jürgen Domjahn und Klaus Steenweg bei der Vorstellung der Pläne.

In den 76,5 Meter hohen ehemaligen Gasspeicher, im Grunde eine riesige Metalldose, wird nach den Plänen eines Dortmunder Architekturbüros eine zweite 20 Meter hohe Dose mit Kletterwänden und Glasdach gebaut. „Die Wettkampfhöhe liegt bei 14 Metern“, erläutert Domjahn.

"Das ist total hip"

Doch der Gasometer mit einer Grundfläche von 1800 Quadratmetern bietet in der zweiten eingebauten Dose Platz für mehr. Eine Tribüne für 2000 Zuschauer ist geplant, Lagerräume sowie Kletterwände fürs sogenannte Bouldern auf drei Etagen. Bouldern ist Klettern bis zu vier Meter Fallhöhe ohne Sicherung und Partner. Oben angekommen, lässt sich der Klettermaxe auf eine weiche Matte fallen. „Das ist total hip“, sagt Steenweg.

An die Dose kommt noch eine „Kiste“, ein zweigeschossiger Anbau mit weiteren Klettermöglichkeiten an der Außenwand. Drinnen soll neben Gastronomie die Sektionsgeschäftsstelle des DAV mit Bibliothek einziehen. Die Sektion mit aktuell 4400 Mitgliedern, davon 700 aktive Kletterer, ist bislang mit seinen Einrichtungen über die Stadt verteilt. Darüber hinaus ist in dem Anbau eine kleine Turnhalle vorgesehen, die auch von Schulen und Vorort-Vereinen anderer Sportarten genutzt werden kann.

Zu den Kosten halten sich die Dortmunder Alpenvereins-Vorsitzenden noch bedeckt. Nur soviel: Es werden mehr als fünf Millionen Euro sein. „Der Alpenverein wird auch selbst finanziell in die Bütt steigen und Risiko übernehmen“, kündigt Steenweg an. Die Stadt, die die Sanierung und Herrichtung des Gasometers übernehmen und ihn an den Alpenverein vermieten wird, setze auf Städtebaufördermittel und Zuschüsse aus dem Sportministerium. Die Stadt müsste den Gasometer aus dem vom NRW.Urban verwalteten Grundstücksfonds Ruhr übernehmen. Bislang hat das Land den Unterhaltungsaufwand für den Gasspeicher an der Hacke und hat schon deshalb Interesse, die denkmalgeschützte Dose loszuwerden.

500.000 Sportkletterer 

Klettern ist im doppelten Wortsinn eine aufstrebende Sportart. Die Mitgliederzahlen gehen seit zehn Jahren nur nach oben. Allein die Dortmunder Sektion gewinnt jährlich 200 neue Mitglieder hinzu. Klettern ist inzwischen Unterrichtsfach, weshalb auch eine ganze Reihe von Schulen Interesse an dem Kletterzentrum angemeldet hat. Der DAV will vier Leistungszentren in Deutschland für die rund 500.000 Sportkletterer etablieren. Eines soll Dortmund sein. Vor Ort gibt es aktuell nur eine Kletterhalle: das Bergwerk in Huckarde auf der Kokerei Hansa. Das Landesleistungszentrum ist in Wuppertal. Noch.   

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