Aufzug in Wohnblock steht seit 14 Tagen still

Ärger mit Hauseigentümer

Im Februar fiel in einem Wohnblock in Kley für 14 Tage der Aufzug aus. Jetzt, im Juli, steht er wieder seit 14 Tagen. Laut dem Eigentümer soll der Aufzug am Donnerstag wieder funktionieren. Mieter setzen allerdings darauf, dass er bald wieder still steht. Die Probleme sind Symptome eines grundsätzlichen Problems.

KLEY

, 14.07.2016, 03:04 Uhr / Lesedauer: 3 min
Aufzug in Wohnblock steht seit 14 Tagen still

Sieben Stockwerke hat das Haus Echeloh 35. Nach oben zu kommen, fällt hier schwer.

Vor 14 Tagen machte sich Herr Poelkow wie jeden Morgen auf den Weg, die Zeitung aus dem Briefkasten zu holen. Der 77-Jährige verließ seine Wohnung im dritten Stock, bestieg den Aufzug und wollte ins Erdgeschoss fahren. Zwischen dem zweiten und dem dritten Stock blieb der Aufzug stecken. Seine Ehefrau rief den Notdienst, 45 Minuten später war Volkmar Poelkow wieder im Treppenhaus. Der Aufzug steht noch heute still. Man kann das für eine Petitesse halten. Man kann den Aufzug aber auch als ein Symbol für eine Fehlentwicklung sehen.

Die Poelkows gehörten mit zu den ersten Menschen, die diesen Aufzug benutzten. Damals, 1965, als sie einzogen in ihre neue Wohnung. 63 Quadratmeter, 173 Mark warm. Wie viele tausend Kilometer der Aufzug seit dieser Zeit zwischen Keller und dem siebten Stock hin und her gefahren ist, kann keiner sagen, es dürfte so einiges zusammengekommen sein.

Heute steht er und das ist ja auch nichts Schlimmes nach dieser Zeit. Schlimm ist, dass der Aufzug in letzter Zeit immer öfter stehen bleibt, jetzt eben seit 14 Tagen und die Poelkows haben das Gefühl, dass ihr Vermieter, die „Grand City Properties“ mit Sitz in Berlin, das Problem nicht grundsätzlich angehen will.

„Das Schlimmste, was uns passieren konnte“

Volkmar Poelkow ist kein Mann der vielen Worte. „Die wollen unsere Miete haben und setzen ansonsten kein Geld ein“, sagt der 77-Jährige über Grand City. Seine Frau Ingrid, 76, formuliert es deutlicher, wenn sie über die Firma spricht: „Das Schlimmste, was uns passieren konnte.“

Grand City besitzt rund 1500 Wohnungen in Dortmund, bundesweit sind es 80.000, das Unternehmen ist auf Expansionskurs und mit dem Ruf ausgestattet, eher in problematischeren Lagen zuzukaufen. 2012 wurde Grand City der Vermieter der Poelkows. 1965, als das Haus Echeloh 35 frisch gebaut war, gehörte es der VEBA. Sozialer Wohnungsbau, begehrte Wohnungen, nettes Umfeld, ständig ansprechbarer Hausmeister, 63 Quadratmeter, knappe 200 Mark warm. Heute, verschiedene Besitzer und 52 Jahre später, zahlen die Poelkows 500 Euro kalt. Und einen Hausmeister haben sie schon lange nicht mehr gesehen.

Verschiedene Hausverwaltungen für verschiedene Besitzer

In einem Aktenordner finden sich diverse Briefköpfe von diversen Unternehmen, mit denen die Poelkows Kontakt hatten, seitdem sie hier wohnen. Verschiedene Hausverwaltungen für verschiedene Besitzer. Nach der Veba kam die Mira, kam die Terra Heimbau, kam die Grand City. Die Poelkows blieben, es mögen noch eine Handvoll Mieter im Haus sein, die hier all die Jahre blieben. Ansonsten, wie so oft, begann die Fluktuation unter den Mietern, wurde das Umfeld unpersönlich, veränderte sich das Wohngefühl.

Als der Aufzug stehen blieb, geschah erst einmal eine Woche lang nichts. Da wandte sich Volkmar Poelkow an den Mieterverein. Einen Tag später, am 7. Juli, hing ein Zettel am Aufzug, dass der am 8. Juli wieder zur Verfügung stehen werde. Wer Hilfe brauche, könne eine Servicenummer in Berlin anwählen.

Am 8. Juli waren dann auch, sagen die Mieter, zwei Handwerker da und nach einer Stunde wieder weg. Das Datum war durchgestrichen und durch ein handschriftliches „13. Juli“ ersetzt worden. Am Mittwoch um 17 Uhr lief der Aufzug noch nicht. „Selbst wenn der wieder laufen wird, steht der doch in vier Wochen wieder still“, sagt Frau Poelkow und es mag sein, dass sie recht hat. Warum es so schwierig ist, einen alten Aufzug durch einen neuen zu ersetzen, bleibt unklar.

Wirtschaftliche Kennzahlen des Eigentümers gehen steil nach oben

Am Geld kann es schlecht liegen. Zu den Kreditgebern von Grand City und seinen Tochterfirmen gehören diverse bekannte Banken, auch die Sparkasse Dortmund. Und wer sich im Firmenbericht 2016 von Grand City die „wirtschaftlichen Kennzahlen“ anschaut, erkennt nur eine Richtung: steil nach oben. Da soll, teilt Grand City mit, auch der Aufzug ab Donnerstag wieder hinfahren. Man habe auf ein Ersatzteil warten müssen. Auch habe die Firma direkt nach Bekanntwerden des Problems reagiert und die Mieter informiert.

Herr Poelkow sieht das anders. Der Mieterverein Dortmund weist darauf hin, dass im Echeloh 33 und 35 die Fahrstühle für zwei Wochen stillgestanden hätten. „Wir erwarten, dass Grand City bei einem solch langen Ausfall von sich aus ein Angebot für eine Mietminderung macht“, so Markus Roeser vom Mieterverein.

Auf die Frage, ob Grand City darüber nachdenkt, den Aufzug auszutauschen, antwortete das Unternehmen am Mittwoch kryptisch: Sollte er nach den Reparaturen nicht ohne weitere absehbare Störungen laufen, werde man die Prüfung von Alternativen in Betracht ziehen.

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