Es ist eine dicke Überraschung, aber vor allem eine tolle Entwicklung für den Gesundheitsstandort Unna: Die beiden Krankenhäuser bündeln ihre Kräfte. Alles zu den Plänen und Hintergründen.

Unna

, 08.11.2018, 13:16 Uhr / Lesedauer: 2 min

Einen Namen hat das Kind noch nicht, aber fest steht, dass es bald endlich geboren wird: Unnas zwei Krankenhäuser planen ihre Fusion.

Der Verwaltungsrat des katholischen Katharinen-Hospitals (KK) und der Stiftungsrat des Evangelischen Krankenhauses (EK) sowie die Geschäftsführer der beiden Häuser machen eine Planung öffentlich, die für den Gesundheitsstandort Unna von historischem Ausmaß ist. Sie sind sich einig, dass es zum 1. Januar 2020 in Unna ein Krankenhaus mit zwei Betriebsstätten geben soll. Was noch vor wenigen Jahren undenkbar schien, ist nun auf dem Weg.

Reaktion auch auf einen gestiegenen Druck

Damit reagieren die Krankenhäuser auch auf einen gestiegenen Druck, auf eine Gesundheitspolitik, die inzwischen zu einem „Wettbewerb zu Lasten der Pflege“ geführt habe, so Christian Larisch, Geschäftsführer des KK. Nach etwa einem halben Jahr intensiver Gespräche liegt ein Eckpunktepapier vor und eine gegenseitige Erklärung: Beide Häuser suchen in Unna einen Partner, niemand plant eine Fusion über die Stadtgrenze hinaus.

Aus zwei mach eins: Evangelisches Krankenhaus und Katharinen-Hospital planen ihre Fusion

Die Grafik zeigt, wie das Katharinen-Hospital und das Evangelische Krankenhaus medizinisch und personell aufgestellt sind.

Grundsatzentscheidung noch in diesem Jahr

Eine Grundsatzentscheidung soll noch in diesem Jahr fallen. Vorgesehen ist, dass das EK in die gemeinnützige GmbH des KK aufgenommen wird.

Größere Hürden, die das ganze Konstrukt doch noch platzen lassen könnten, seien nicht erkennbar, auch nicht von Seiten der Stiftungsaufsicht, sagt Klaus Moßmeier als Vorsitzender des EK-Stiftungsrats.

„Wir werden nicht einen Arbeitsplatz abbauen.“
Christian Larisch, Katharinen-Hospital

Zwei christliche Krankenhäuser verschmelzen: Das klingt einfacher, als es ist, denn die Träger sind unterschiedlicher Konfession. Doch Grundsatzthemen, an denen sich katholische und evangelische Geister scheiden, müssen nicht geklärt werden. Vielmehr deutet alles darauf hin, dass zwei einstige Mitbewerber auf dem besten Weg sind, gemeinsam mehr zu erreichen.

Zwei ähnliche Tarife

Einsparungen vor allem beim Kostentreiber Personal sind in der Regel ein Ziel bei Fusionen dieser Art. Diese Sorge aber nimmt KK-Geschäftsführer Larisch den Mitarbeitern beider Häuser: „Wir werden nicht einen Arbeitsplatz abbauen.“ Die Krankenhäuser bezahlen ihr Personal nach zwei unterschiedlichen Tarifverträgen. Auch das hat mit den unterschiedlichen Konfessionen zu tun. Ist die Fusion perfekt, soll sich für ein Jahr zunächst bei keinem Mitarbeiter etwas ändern. Auch danach soll niemand schlechter gestellt werden.

Zeitplan

So soll die Fusion ablaufen

  • Bis Ende 2018 soll ein Grundsatzbeschluss gefasst werden. Vorgesehen ist, dass die Stiftung Evangelisches Krankenhaus in die Katharinen-Hospital gGmbH aufgenommen wird. Die EK-Stiftung übernimmt Gesellschafteranteile der KK gGmbH, das KK bleibt Mehrheitsgesellschafter.
  • Im Jahr 2019 soll gemeinsam mit Führungskräften beider Häuser die Struktur der medizinischen und pflegerischen Versorgung im neuen Krankenhaus erarbeitet werden.
  • Am 1. Januar 2020 soll das neue Krankenhaus mit zwei Standorten in Unna an den Start gehen. Einen Namen hat das neue Haus bisher nicht.

Aber nach einem Jahr sollen die bisher nach dem evangelischen Tarif bezahlten Pfleger, Ärzte und anderen Angestellten wählen dürfen, ob sie in den katholischen Tarif wechseln. Von der Höhe der Grundgehälter aber seien die beiden Tarifsysteme fast identisch, sagt Larisch. Niemand soll schlechter gestellt werden. Auch im neuen Verbund sollen Mitarbeiter wie Patienten spüren, dass ein Krankenhaus als Ausdruck christlichen Wirkens betrieben wird. Niemand habe das Ziel, ein Krankenhaus als „Profit Center“ zu betreiben, betont Guido Ponto, Vorsitzender des Verwaltungsrats des KK.

Die Verantwortlichen der beiden Krankenhäuser hoffen, durch den Zusammenschluss eine neue Einheit zu bilden, die besser für die Zukunft gerüstet ist. Während bisher zwei mittelgroße Häuser fachlich teils Überschneidungen haben, teils spezialisiert sind, würde das dann größte und leistungsstärkste Krankenhaus im Kreis Unna fast alle medizinischen Fächer anbieten.

Attraktiverer Arbeitgeber

Dadurch will man in die Lage kommen, die Struktur der Notfallversorgung zu verbessern. „Das hätte einer alleine nicht geschafft“, sagt Dr. Dietmar Herberhold, EK-Stiftungsvorstand. Das Ziel sei außerdem, das Leistungsspektrum auszubauen, sagt KK-Chef Larisch, ohne Details verraten zu wollen. Das neue, große Unnaer Krankenhaus würde auch noch attraktiver als Arbeitgeber für hochqualifizierte Ärzte, sagt Herberhold. Man blickt auch mit Sorge auf die Personalsituation in der Pflege.

„Wir wollen die Struktur der Notfallversorgung verbessern. Das hätte einer alleine nicht geschafft.“
Dr. Dietmar Herberhold, Evangelisches Krankenhaus

Für die nächsten Jahre kündigen sich Engpässe an, und es erscheint nicht sinnvoll, dass zwei Krankenhäuser an einem Standort sich gegenseitig das Personal streitig machen. Bei der Ausbildung gehen KK und EK ohnehin schon seit Jahren einen gemeinsamen Weg: Das Pflegepersonal beider Häuser lernt in einer Krankenpflegeschule in Unna.

An den Details der Zusammenführung sollen die leitenden Mitarbeiter nun beteiligt werden. Larisch kündigt einen Prozess über mehrere Jahre an. Er hat am Donnerstagmittag mit einer Information an die Belegschaften begonnen.

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