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Ausstellung erinnert an getötete Nazi-Gegner

Johann-Gutenberg-Realschule

Der „Weg der Erinnerung“ führt jetzt durch Wellinghofen. An der Johann-Gutenberg-Realschule ist ab sofort die Wanderausstellung zu sehen, die das Schicksal von ermordeten Nazi-Gegnern darstellt. Schlichte Schautafeln, die persönliche Geschichten erzählen – und gerade deshalb intensiv wirken.

WELLINGHOFEN

von Von Felix Guth

, 08.02.2013
Ausstellung erinnert an getötete Nazi-Gegner

Der "Weg der Erinnerung" dokumentiert 16 Schicksale von Menschen, die in den letzten Kriegstagen von den Nazis hingerichtet wurde.

Es ist die achte Station der Ausstellung, die Dortmunder Jugendliche konzipiert haben – und die achte Station, auf der die 16 Schicksale den Schrecken greifbar machen. Über 300 Kriegsgefangene und politische Gegner erschoss die SS zwischen dem 7. März und 9. April 1945 im Rombergpark und der Bittermark. Einen Monat später war der Krieg zu Ende.  

 Der blinde Kommunist Paul Pietzko, der engagierte Protestant Karl Klose, die von Nachbarn denunzierte Jüdin Jullie Risse oder Martha Gillessen, die sich stellte, als ihre Tochter von der Gestapo als Geisel genommen wurde: Der „Weg der Erinnerung“ gibt dem „statistischen“ Thema der Massenvernichtung ein Gesicht. „Es soll eine Art des Gedenkens sein, die mehr ist, als etwas in einem Buch nachzulesen“, sagt Lara Schimmeregger. Die 18-Jährige ist eine von mittlerweile rund 60 „Botschaftern der Erinnerung“, die gegen das Vergessen arbeiten. Gemeinsam mit dem Jugendring um Andreas Roshol und der Gedenkstätte Steinwache organisieren sie regelmäßigen Austausch über das schwierige Thema. „Dabei geben die Jugendlichen immer wieder selbst Impulse, eigene Ideen weiterzuführen“, sagt Roshol.

 Der „Weg der Erinnerung“ ist das aktuelle und gelungenste Beispiel der jungen Botschafter, die seit 2008 aktiv sind. Wie schnell vergessen wird, was die Ausgrenzung Andersdenkender auslösen kann, erleben die Schüler der Johann-Gutenberg-Realschule nahezu täglich.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Die Ausstellung Weg der Erinnerung macht Station in Wellinghofen

Die Wanderausstellung "Weg der Erinnerung" ist bis zum 22. Februar in der Johann-Gutenberg-Realschule zu sehen.
07.02.2013
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Fabian, Lukas, Lara und Lena (v.l.) sind "Botschafter der Erinnerung".© Foto: Felix Guth
Die Botschafter haben einen Film zum Thema Menschenrechte erstellt.© Foto: Felix Guth
Der "Weg der Erinnerung" dokumentiert 16 Schicksale von Menschen, die in den letzten Kriegstagen von den Nazis hingerichtet wurde.© Foto: Felix Guth
Die Biografien stehen auf Schautafeln. Zwischendurch tauchen historische und aktuelle Zitate zum Thema auf.© Foto: Felix Guth
Schülersprecher Robin Akaltun hielt bei der Ausstellungseröffnung eine eindrückliche Rede.© Foto: Felix Guth
Es gebe im Alltag Rassismus, sagte er. Dagegen helfe nur Aufklärung und gemeinsames Eintreten.© Foto: Felix Guth
Andreas Roshol (vorne) mit einigen "Botschaftern der Erinnerung".© Foto: Felix Guth
Ein Blick auf einige der Biografien.© Foto: Felix Guth
Juden, Christen, Kommunisten: Die 16 Ermordeten haben ganz unterschiedliche Hintergründe.© Foto: Felix Guth
Schlagworte Wellinghofen

„Es gibt Beleidigungen und Rassismus auf dem Schulhof“, berichtet Schülersprecher Robin Akaltun bei der Ausstellungseröffnung. Häufig geschehe dies aber aus Unwissenheit. „Spricht man mit den Leuten über die Folgen ihrer Beleidigungen, erkennen sie meist, dass es falsch ist.“ Es sei deshalb Aufgabe aller, sich an der Schule „für eine gesunde Gesellschaft einzusetzen“.

 Die Ausstellungseröffnung in der Realschule bietet mehrere Momente, die nachdenklich machen. Etwa die Assoziationen von Schülern der Geschichts-AG zur Beschäftigung mit Diktatur und Folter mit kurzen Worten („Angst“, „Tod“, „Wunsch nach Tod“). Oder die Rede von Ernst Söder. Der Vorsitzende des Fördervereins der Gedenkstätte Steinwache erzählt von Reaktionen Angehöriger, die durch den „Weg der Erinnerung“ teilweise erst vom Schicksal ihrer Eltern erfahren haben. „Danke, dass sie das möglich gemacht haben“, schreibt die Tochter des ermordeten französischen Kriegsgefangenen Leon Chadirac. Dank, der den jugendlichen Botschaftern gebührt.

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