Ausstellung "Zum Wohl" zeigt die Trinkkultur der Region

Schiffshebewerk Henrichenburg

Dem Ruhrgebietler sein Bier, dem Ostwestfalen seine Sinalco und die "Kaffeepulle" für den Bergarbeiter - die Ausstellung "Zum Wohl!" im Schiffshebewerk Henrichenburg in Waltrop zeigt ab Sonntag (7.5.) die Geschichte der regionalen Trinkkultur. Ihr Herzstück ist die originale Trinkhalle der Castroperin Emmy Olschewski aus dem Jahr 1921.

WALTROP

, 03.05.2017, 15:44 Uhr / Lesedauer: 1 min
Als Alternative zu Schnaps und Bier wurde 1905 die Limonade „Sinalco“ im ostwestfälischen Lage auf den Markt gebracht.

Als Alternative zu Schnaps und Bier wurde 1905 die Limonade „Sinalco“ im ostwestfälischen Lage auf den Markt gebracht.

Die Trinkgewohnheiten an Rhein und Ruhr prägten Land und Leute besonders im Industriezeitalter. "Zum Wohl!", zuletzt zu sehen in der Heinrichshütte Hattingen, zeigt jedoch nicht nur Bier und Schnaps im Wandel der Zeit, sondern auch Wasser, Limonade, Kaffee, Milch und Tee - auf sieben Themeninseln mit rund 250 Ausstellungsstücken, von alten Ton- und Glasflaschen über Mischmaschinen bis zu Milchkannen auf einem abgewetzten Bollerwagen.

Castroper Trinkhalle ist ein waschechtes Original

Ein Prunkstück der Ausstellung ist die originale Trinkhalle von Bergmannswitwe Emmy Olschewski. Von 1921 bis 1998 stand sie in der Bergarbeitersiedlung Schwerin in Castrop-Rauxel. Eingelagert vom Industriemuseum wartete die alte Bude auf ihren großen Auftritt. Die mittlerweile verwitterte grüne Fassade erinnert an schuppige Reptilhaut und es hängen noch immer die Schilder vom ersten Tag. Es ist also ein waschechtes Original. "Innen wollen wir einen Filmraum einrichten", sagt Museumsleiter Arnulf Siebeneicker.

Wichtig bei der Entwicklung der westfälischen Trinkkultur, so Siebeneicker, ist die Verbindung zur Arbeitswelt. Welche Rolle etwa hatten Getränke am Arbeitsplatz? "Ohne Alkohol war die harte Industrie-Arbeit schwierig", sagt LWL-Kulturdezernentin Barbara Rüschoff-Thale. Um sie dennoch verrichten zu können, hätten viele Arbeiter zunächst zum Schnaps, später zum Bier gegriffen.

Sinalco als Mittel gegen den Alkoholismus

"Mit der Zeit gab es immer mehr Alkoholiker", so die Kulturdezernentin. Anfang des 20. Jahrhunderts sei daher für eine alkoholfreie Alternative geworben worden - die Limonade. Vom ostwestfälischen Lage aus eroberte ab 1905 die Sinalco, ein Kunstwort aus "sine alcohol" (lateinisch für "ohne Alkohol") Deutschland und Europa.

Und auch dass der Kaffee klar zum Ruhrgebiet gehört, zeigt die Ausstellung. Neben seiner Geschichte hält die Ausstellung die moderne Erscheinung des beliebtesten Getränks der Deutschen mit "To-Go-Bechern" fest, von denen auch Arnulf Siebeneicker viele entdeckt und mitgebracht hat.

in Waltrop: "Zum Wohl!", 7.5. (Eröffnung um 14 Uhr) bis 14.1., Am Hebewerk 26, Di-So 10-18 Uhr, Erwachsene 4 Euro (erm. 2,50 Euro), Kinder 2 Euro, Katalog 9,95 Euro.

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