Autor Nils Oskamp stellt "Drei Steine" vor

Ein Comic gegen rechte Gewalt

Es war eine besondere Rückkehr: Am Freitag besuchte Autor und Illustrator Nils Oskamp die Wilhelm-Busch-Realschule und las aus seiner neuen Graphic Novel "Drei Steine". Darin erzählt er von seiner eigenen Schulzeit und seine Probleme mit nationalsozialistisch gesinnten Mitschülern an eben dieser Realschule während der 80er Jahre.

DORSTFELD

, 02.09.2016, 14:57 Uhr / Lesedauer: 2 min
Nils Oskamp hat seine ehemalige Schule, die Wilhelm-Busch-Realschule, in seiner Graphic Novel verewigt.

Nils Oskamp hat seine ehemalige Schule, die Wilhelm-Busch-Realschule, in seiner Graphic Novel verewigt.

Zurück am Tatort. Für Nils Oskamp war der Besuch der Wilhelm-Busch-Realschule eine Rückkehr an einen Ort, an dem er einst ein Opfer war. Ein Opfer ist er heute nicht mehr, heute ist er ein Kämpfer. Er kämpft dafür, dass Jugendliche weder Opfer noch Täter werden.

In den 80er-Jahren war Nils Oskamp Schüler an der Wilhelm-Busch-Realschule. Schon als Jugendlicher engagierte er sich gegen Neonazis, die bereits damals in Dorstfeld sehr aktiv waren. Er unterschätzte allerdings, wie verbreitet das rechte Gedankengut bereits in der Schülerschaft verbreitet war.

Der Auschwitz-Lüge widersprochen

Als er einem Mitschüler widersprach, der die Auschwitz-Lüge propagierte, bedeutete das für ihn vor allem eines: „Ich habe tierisch auf die Fresse bekommen“, sagt er heute mit der Gelassenheit der zeitlichen Distanz. Zwei der Angriffe brachten ihn ins Krankenhaus, er nennt sie heute Mordanschläge.

Weder bei Lehrern noch bei Behörden fand er Hilfe. „Rechte Gewalt war überhaupt kein Thema, die Vorfälle wurden als Schulhof-Prügeleien abgetan“. Er musste alleine durch diese schmerzvolle Zeit.

Am Freitag war er wieder da, am Ort der Prügel, der Hilflosigkeit und Ohnmacht gegenüber rechter Gewalt. Jetzt war der preisgekrönter Autor und Illustrator, der in Hamburg arbeitet, Gast an seiner alten Schule, die mittlerweile als „Schule ohne Rassismus“ Stellung gegen Rechts bezieht.

Die eigene Schule im Comic

Im Gepäck hatte er seine neues Werk, die Graphic Novel „Drei Steine“. In dem Comic-Buch verarbeitet er seine Erlebnisse als Jugendlicher. Die Wilhelm-Busch-Realschüler erlebten die multimediale Lesung eines Buches, das an ihrer eigenen Schule spielt.

Für die Schüler wird es aber nicht bei der Lesung bleiben. Das Buch entstand in Zusammenarbeit mit der Amadeu-Antonio-Stiftung und wurde vom Bundesfamilienministerium unterstützt. Deshalb erscheint die Geschichte nicht nur in der Buchhandel-Version, sondern auch in einer kostenlosen Schulbuch-Version mit pädagogischem Begleitmaterial, das von Rechtsextremismus-Forscherin Britta Schellenberg entwickelt wurde.

Stark machen gegen rechte Propaganda

So soll die Auseinandersetzung mit „Drei Steine“ Schüler der Klassen 8 bis 10 stark machen gegen rechte Propaganda und Gewalt. Denn anders als Nils Oskamp damals können Jugendliche heute auf ein breites Angebot an institutionellen Hilfen zurückgreifen – vom Schutz vor Nazis bis hin zu Hilfe beim Ausstieg aus der Szene.

Auf seiner Vortragsreihe besucht der Träger des „Hamburger Animation Awards 2003“ noch viele weitere Schulen. Und im Oktober gibt es eine Ausstellung und Lesung zu „Drei Steine“ auf der Frankfurter Buchmesse.

Der Titel „Drei Steine“ bezieht sich auf drei reale Steine, die in Nils Oskamps Leben eine Rolle gespielt haben.
- Mit dem ersten Stein verteidigte er sich bei einem Angriff durch Neonazis.
- Den zweiten Stein nahm er als Waffe auf, setzte ihn jedoch nicht ein, um die Gewalt-Spirale zu durchbrechen.
- Den dritten Stein legte er in in der Gedenkstätte Yad Vashem ab.
Das Buch „Drei Steine“ hat 160 Seiten, ist im Panini-Verlag erschienen und kostet 19,99 Euro. Bestellnummer: 978-3-95798-646-7.