Autor Stefan Stuckmann spricht über das Ruhrgebiet

Interview

Hans-Josef Eichwald heißt er, ist Bundestagsabgeordneter für den Wahlkreis Bochum II und die fiktive Titelfigur in der neuen ZDFNeo-Serie „Eichwald MdB“. Im Interview mit Benjamin Hahn spricht Drehbuchautor Stefan Stuckmann über das Ruhrgebiet und politische Ideale.

BOCHUM

, 29.03.2015, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Hajo Eichwald ( vorne, gespielt von Bernhard Schütz) ist Bundestagsabgeordneter aus dem Wahlkreis Bochum II und hält sein Berliner Team auf Trab.

Hajo Eichwald ( vorne, gespielt von Bernhard Schütz) ist Bundestagsabgeordneter aus dem Wahlkreis Bochum II und hält sein Berliner Team auf Trab.

Herr Stuckmann, woher kommen Sie? Ich stamme aus Kleve am Niederrhein.

Wie kommt man dann auf das Ruhrgebiet? Das Ruhrgebiet ist der nächste interessante Ort. Der Niederrhein ist eher so ein bisschen öde.

Aber ausgerechnet Bochum? Das war eine Bauchentscheidung. Als Kind haben wir eine Klassenfahrt zum Bergbaumuseum gemacht und ich fand den Ort seitdem spannend. Die Geschichte des Ruhrgebiets ist ein bisschen tragisch, da vermischen sich viele Dinge. Da sind die großen Maschinen, die einen als Kind begeistern, dann war es Motor der Bundesrepublik und jetzt gibt es die modernen Probleme, die die Region seit 20 Jahren umtreibt. Das sind zwei Welten, die aufeinanderprallen. Die alte Welt schwingt in der Neuen mit.

Was heißt das für die Serie? Eichwald ist eine Figur, die nach alter Bundesrepublik riecht. Was aber nicht als negative Aussage über die Menschen im Ruhrgebiet gemeint ist. Ich bin kein großer Fußballfan, finde aber das Thema spannend. Da fällt mir auf, dass die Art, wie über Fußball geredet wird, in Bochum oder Dortmund eine andere ist als in München. Im Ruhrgebiet schwingt noch viel Herz mit.

Haben Sie den Eindruck, die Region habe den Anschluss verloren? Nein, das sehe ich nicht so. Meine Schwester wohnt in Essen und deshalb bin ich gelegentlich dort. Von außen betrachtet habe ich das Gefühl, dass das Ruhrgebiet unterschätzt wird, gerade aus Berlin. Es ist der einzig wahre Ballungsraum in Deutschland, hat aber ein Problem mit sich selbst. Das Ruhrgebiet müsste viel selbstbewusster werden, weil es auch Sitz vieler wichtiger Betriebe, Museen und Theater ist.

Wird Bochum eine große Rolle spielen? Im Moment taucht das Ruhrgebiet nur wenig auf, wird kurz erwähnt und spielt nur indirekt eine Rolle. Ich würde das aber gerne in Zukunft ändern und bei einer weiteren Staffel auch Folgen in Bochum spielen lassen.

Ist die Serie angelehnt an eine reale Figur? Nein. Ich bin zwar mit einer Abgeordneten mitgelaufen, aber die war ganz anders als Eichwald.

Sie haben sich also schon über Politik informiert? Das Politikthema zieht sich durch mein Autorenleben. Ich hab schon bei den „Freitag Nacht News“ Politik bearbeitet, später bei „Switch“ und der „Heute Show“. Ich habe dann gemerkt, dass Politik eine gute Folie ist, um über Menschen zu erzählen. Wenn man weggeht von dem, was gesagt, und schaut, was das für Menschen sind, die sich am politischen Prozess beteiligen, ist das sehr spannend.

Braucht das deutsche Fernsehen mehr Politikserien? Beim ZDF hat das mit „Kanzleramt“ nicht funktioniert, das war eine Serie im Stil von „Westwing“. „Westwing“ arbeitet ganz viel mit dem amerikanischen Pathos, der deutsche Politiker hat aber einen pragmatischeren Zugang zu solchen Themen. Das bedeutet natürlich für Geschichten, dass die deutsche Politik eher langweilig ist, aber wenn man sich anschaut, wie aufgeheizt die politischen Lager in den USA sind, ist diese pragmatischere Herangehensweise vielleicht besser.

Was haben Sie über die Politik gelernt? Es gibt dieses Vorurteil, dass die Politik zu weit von den Menschen weg wäre. Eigentlich ist es andersrum: Sie ist zu nah an den Menschen. Als ich mit der Abgeordneten unterwegs war, klingelte immer ihr Telefon, ständig kamen Verbände vorbei. Keine Klischeeverbände, sondern Sachen, wo man denkt, dass es eigentlich super ist, dass sich jemand darum kümmert.

Und über Politiker? Man kriegt mit, was das für ein harter und anstrengender Beruf ist. Und dass es eine falsche Vorstellung vom Politikerberuf ist, wenn man nach den Idealen der Politiker fragt. Politiker müssen Kompromisse finden, mit denen alle leben können. Für eine Sache zu brennen, ist die Pflicht der Bürger, nicht der Politiker. Wenn man eine große Idee hat, sollte man in seinem Umfeld dafür werben. Durch diese Arbeit kann man dann die Politik dazu bringen, das zu machen, wofür man selbst die Mehrheit hergestellt hat.

Ab dem 16. April, 22.45 Uhr, auf ZDFNeo und ab dem 29. Mai im ZDF.