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Autorin auf Stimmenfang

Frauen im Krieg

Auf der Suche nach dem weiblichen Gesicht des Krieges interviewte Swetlana Alexijewitsch über 400 ehemalige Rotarmistinnen in den 1980er-Jahren über ihre Erlebnisse im Zweiten Weltkrieg. 1985 erschien der Doku-Roman "Der Krieg hat kein weibliches Gesicht" und eine Adaption dieser Protokoll-Literatur hat Michal Borczuch jetzt im Kleinen Haus des Düsseldorfer Schauspielhauses auf die Bühne gebracht.

DÜSSELDORF

von Von Britta Helmbold

, 23.12.2012 / Lesedauer: 2 min
Autorin auf Stimmenfang

Die Autorin (Elena Schmidt) im Kreis der Ex-Rotarmistinnen.

"Ich möchte reden", wiederholt Janina Sachau mehrmals. Doch bei Borczuch bleiben diese Frauen seltsam stumm, längere Erzählpassagen gesteht der Regisseur ihnen selten zu.

Dafür dürfen sie ihren Schmerz herausschreien, Tiergeräusche imitieren, die Kasettenaufnahmen zerstören und mit einer Urne auftreten. So bleiben die 17 Frauenfiguren, die von Mareike Hein, Claudia Hübbecker, Karin Pfammatter und Janina Sachau verkörpert werden, fast ununterscheidbar.

Denn in den Mittelpunkt seiner Inszenierung stellt der Regisseur die recherchierende Journalistin, die nachbohrt bis sie ihre Geschichte hat. Elena Schmidt spielt diese unnachgiebige, auch etwas unsympathische Autorin, die den Frauen mit ihrem Diktiergerät zu Leibe rückt.Verhörsituation So erinnern die Gespräche eher an eine Verhörsituation und bedrohlich senken sich die Akustiksegel zum Stimmenfang auf die Bühne herab. Am Ende diskutiert die Gruppe das Manuskript und die Autorin erläutert ihr Konzept, als "Historikerin der Seele" sei sie nicht an Siegen interessiert. Aber auch Borczuchs Inszenierung verdammt die Ex-Soldatinnen wieder zum Schweigen.