Axt-Angriff: Bahnfahrer verhinderte Schlimmeres

Täter wohl psychisch krank

Der Mann, der am Donnerstagabend am Düsseldorfer Hauptbahnhof zehn Menschen mit einer Axt schwer verletzte, ist nach Angaben der Ermittler psychisch krank. Einen terroristischen Hintergrund schließt die Polizei aus. Auf einer Pressekonferenz am Freitag wurden weitere Einzelheiten über den Tathergang und die Opfer bekanntgegeben.

Düsseldorf

10.03.2017, 07:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Axt-Attacke mit zehn Verletzten am Düsseldorfer Hauptbahnhof war nach Überzeugung der Ermittler die Einzeltat eines psychisch kranken Mannes. Die Polizei sagte am Freitagmittag, dass es Hinweise auf "paranoide Schizophrenie" gebe. Hinweise auf einen terroristischen Hintergrund gibt es nach Angaben der Polizei nicht.

„Es deutet derzeit alles darauf hin, dass am Düsseldorfer Hauptbahnhof ein psychisch kranker Mann völlig wahllos zehn Menschen mit einem Beil angegriffen und zum Teil schwer verletzt hat“, sagte NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) am Freitag.

S-Bahn-Fahrer verhinderte Schlimmeres:

Zunächst war der mutmaßliche Angreifer auf Passagiere in einer S-Bahn der Linie 28 losgegangen. Der Fahrer handelte nach Angaben der Polizei schnell: Er habe die Türen des Zuges geschlossen, vermutlich als er den Tumult auf dem Bahnsteig sah und der Mann vor der Tür war, berichtete die Polizei am Freitag bei einer Pressekonferenz. Der mutmaßliche Täter habe mit Tritten und Faustschlägen noch vergeblich versucht in den Zug zu gelangen. „Der Fahrer hat unterbunden, dass der Täter wieder in die Tür hineinkam“, sagte der Polizeivertreter.  

So verlief der Amoklauf:

Der 36-Jährige hatte am Donnerstagabend erst in einer S-Bahn, dann im Bahnhof mit einer Axt wahllos auf Passanten eingeschlagen und zehn Menschen verletzt. Die Verletzten seien zwischen 13 und 50 Jahre alt und stammten vor allem aus Dortmund, Düsseldorf, Köln, Solingen und Mettmann, auch zwei Italienerinnen wurden verletzt. Viele der Opfer erlitten lebensgefährliche Verletzungen. Nach Angaben der Düsseldorfer Universitätsklinik war am Freitag kein Opfer mehr in Lebensgefahr. 

Vorstrafen habe der Mann nach Angaben der Ermittler nicht. Er sei 2009 aus dem Kosovo gekommen und habe mit einer Aufenthaltsberechtigung als Asylbewerber in Wuppertal gelebt. Hinweise auf Mittäter gebe es nicht.  Nach der Tat hatte die Polizei zunächst überprüft, ob der 36-Jährige Unterstützer hatte. Zwei weitere Männer wurden festgenommen. Es habe sich aber herausgestellt, dass sie nichts mit der Tat zu tun hatten, sagte ein Polizeisprecher. 

Der Bruder des mutmaßlichen Düsseldorfer Angreifers hat nach Angaben der Polizei von der Krankheit des psychisch kranken Mannes und vom Kauf der Axt gewusst. Er habe seinen Bruder als vermisst gemeldet, weil dieser am Abend nicht zu Hause gewesen sei, teilte die Polizei am Freitag auf einer Pressekonferenz mit. Ihm sei auch bekannt gewesen, dass der Bruder sich verfolgt gefühlt und eine Axt besessen habe. Zwischen dem Kauf der Axt und der Tat vergingen eine Woche Zeit.  

Von einer Brücke gesprungen

Der mutmaßliche Täter war nach der Attacke auf dem Bahnhof über die Gleise gelaufen und dann von einer Brücke mehrere Meter hinab auf eine Straße gesprungen. Dabei habe er sich Knochenbrüche zugezogen und sei danach bewegungsunfähig gewesen.

Die Polizei hatte bekanntgegeben, dass die Tat keinen terroristischen Hintergrund hatte. Die Beamten seien von Anfang an davon ausgegangen, dass es sich um einen Amoklauf handle, hieß es am Morgen. Es habe "zu keiner Zeit" Hinweise auf ein extremistisches oder islamistisches Motiv gegeben. 

Innenminister Jäger dankte den Einsatzkräften:

„Meine Gedanken sind bei ihnen und ihren Angehörigen“, erklärte der SPD-Politiker am Freitag in Düsseldorf. Er dankte den Rettungskräften und der Polizei für ihr besonnenes Handeln, um die Lage am Hauptbahnhof unter Kontrolle zu bekommen und den Täter festzunehmen. 

Gespräche mit der NRW-Ministerpräsidentin:

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) bietet Opfern der Axt-Attacke im Düsseldorfer Hauptbahnhof Hilfe an. In Telefonaten mit Familienangehörigen erkundige sich Kraft nach dem Gesundheitszustand der Betroffenen und der Lage der Familie, sagte eine Sprecherin der Staatskanzlei am Freitag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur in Düsseldorf. Wo Unterstützung nötig sei - etwa psychologischer Beistand für Menschen, die Bluttaten an Familienangehörigen aus nächster Nähe mit ansehen mussten - werde geholfen. Zudem wolle sie in persönlichen Briefen an die Opfer ihre Genesungswünsche übermitteln.

MPin @HanneloreKraft: Wir denken an die Opfer dieser brutalen Tat. Dank an die Rettungs- und Polizeikräfte. #duesseldorf#hbf@polizei_nrw_d

— Staatskanzlei NRW (@NRWpunktDE)

Der nächste Morgen am Düsseldorfer Hauptbahnhof:

Am Tatort auf Gleis 13 des Düsseldorfer Hauptbahnhofs erinnerte am Freitagmorgen nichts mehr an die Ereignisse des Vorabends. Pendler und Reisende strömten wie an jedem Morgen durch das Bahnhofsgebäude. Nachdem am Abend mehr als 120 Züge ausgefallen waren oder umgeleitet wurden, lief der Verkehr im morgendlichen Berufsverkehr wieder weitgehend planmäßig. 

 

dpa