Baby will sich mit einer Puppe als Mann emanzipieren

Festival "Stücke"

Einen witzigen Emanzipationsversuch hat Anne Lepper mit "Mädchen in Not" geschrieben. Baby verweigert sich der Selbstoptimierung und will eine Puppe als Mann, um sich von Reproduktionszwängen zu befreien und selbstbestimmt zu leben. Weniger humorvoll ist die Inszenierung von Dominic Friedel für das Nationaltheater Mannheim, die beim Mülheimer Dramatiker-Wettbewerb "Stücke" zu sehen war. 

MÜLHEIM

23.05.2017, 13:17 Uhr / Lesedauer: 1 min
Baby will sich mit einer Puppe als Mann emanzipieren

Baby (Anne-Marie Lux) mit ihrem Mann (Hannah Müller)

Regisseur Friedel hat das Stück in eine Puppenwelt verlegt. Die Schauspieler bewegen sich mechanisch-comichaft, agieren pantomimisch und mit pathetischen Gesten wie im Stummfilm, weil sie überdimensionierte zerknitterte Pappköpfe (Ausstattung: Peter Schickart) tragen und ein Mimikspiel entfällt.

Der amüsante Text bekommt einen melodramatischen Ton, der die zweistündige Aufführung zäh werden lässt. Babys Mutter jammert mit Fistelstimme "die Nachbarn, die Nachbarn", doch ihre Tochter besorgt sich eine Puppe. Freundin Dolly will auch mal mit ihr spielen und wird schwanger. Babys echte Männer, die Angst vorm Aussterben haben, geben sich als Puppen aus, um sie wieder für sich zu gewinnen.

Kindertheater-Preis geht an Tina Müller

Das Pygmalion-Motiv bekommt eine aktuelle Note durch die Roboterentwicklung. Überflüssig ist der Einbau der "Gesellschaft der Freunde des Verbrechens", mit der Anne Lepper die Bürgerwut gegen Überfremdung thematisiert - und den Friedel als albern bewegten Chor über die Bühne wieseln lässt.

Der mit 10000 Euro dotierte Mülheimer Kindertheater-Preis wurde an Tina Müller für "Dickhäuter" vergeben. 2018 wird im Dortmunder Kinder- und Jugendtheater "Der Fall" von Anne Lepper uraufgeführt.

"Der thermale Widerstand" von Ferdinand Schmalz ist vom Schauspielhaus Zürich am 26./27. 5. bei zu sehen. Karten: Tel. (0208) 96 09 60.

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