Bachs Johannes-Passion klang fast unerhört neu

Konzerthaus Dortmund

Für die Aufführung in der Leipziger Thomaskirche hat Johann Sebastian Bach seine Johannes-Passion ein Jahr nach der Uraufführung 1724 umgearbeitet. Später kehrte der Barockkomponist dann jedoch wieder zu der Ursprungsfassung zurück. Deshalb ist die zweite Fassung selten zu hören.Thomas Hengelbrock präsentierte sie am Sonntag mit seinem Balthasar-Neumann-Chor und -Orchester im Konzerthaus Dortmund. Eine reine Johannes-Passion ist das nicht mehr, weil auch Teile des Matthäus-Evangeliums Einzug in das Werk gehalten haben.

DORTMUND

, 03.04.2017, 17:34 Uhr / Lesedauer: 1 min
Bachs Johannes-Passion klang fast unerhört neu

Thomas Hengelbrock, dirigierte Bachs Johannes-Passion im Konzerthaus Dortmund.

.Drei Arien hat Bach durch andere Arien ersetzt, den Schlusschoral ausgetauscht und - die gravierendste Änderung - den Eingangschor "Herr, unser Herrscher" durch den Choral "O Mensch, bewein' Dein Sünde groß" ersetzt. Dadurch beginnt die Passion sanfter und kontemplativer.

Zu Hengelbrocks Deutung passte das perfekt, denn die war dramatisch ganz auf die Kreuzigungsszene zugeschnitten. Packend, fast theatralisch ließ er seinen aus vorzüglichen 23 Solisten bestehenden Chor da singen und als Volk agieren. Mit den sehr leise und innig gesungenen Chorälen dazwischen schuf er eindrucksvolle intime Kontraste.

Tolle Solisten

Das an diesem Abend 28 Musiker starke Balthasar-Neumann-Orchester, das seit seiner Gründung vor 26 Jahren auf historische Aufführungspraxis spezialisiert ist, ist ein vorzügliches Ensemble und spielt mit seinem farbigen und rhythmisch geschliffenen Klang auch in einer höheren Liga als Hengelsbrocks NDR-Orchester, mit dem er die Elbphilharmonie eröffnet hat.

Als Solisten der kleinen Partien waren aus dem Chor vor allem David Pichlmaier als Pilatus (von der ersten Galerie) sowie Altistin Anne Bierwirth und Sopranistin Katja Stuber hervorragend besetzt.

Starker Jesus

Evangelist und Jesus waren mit Weltstars: Tenor Daniel Behle erzählte die Geschichte als Evangelist spannend, mit nicht allzu heller, aber dramatischer Stimme. Michael Nagy war ein großartiger Jesus mit starkem Bariton, der den Pilatus-Worten viel entgegensetzen konnte.

Es war schön, diese Fassung einmal im Konzert gehört zu haben, aber schöner ist die Ursprungsversion, die Bach auch in der dritten und vierten Fassung bevorzugt hat.

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