Ballett am Rhein zeigte einen Tanz zwischen Hell und Dunkel

Theater Duisburg

Erstaunliche 175 Jahre europäischer Tanzgeschichte umspannt das neue Programm des Balletts am Rhein "b.26", das im Theater Duisburg Premiere feierte. So unterschiedlich die Handschriften des Dänen August Bournonville, des Engländers Antony Tudor und des in Deutschland künstlerisch groß gewordenen Australiers Terence Kohler sind: Dem Tanz auf Spitze huldigen alle.

DUISBURG

von Von Marieluise Jeitschko

, 18.01.2016, 10:02 Uhr / Lesedauer: 1 min
Szene aus „Bournonville Divertissemont“ vom dänischen Choreografen August Bournonville.

Szene aus „Bournonville Divertissemont“ vom dänischen Choreografen August Bournonville.

Heiter, hell und verspielt kommt zum Auftakt das "Bournonville Divertissement" im Theater Duisburg daher. Kurze, hochvirtuose Soli, Pas de deux und klar strukturierte Ensembles aus den romantischen Handlungsballetten "Napoli" und "Blumenfest in Genzano" von der Mitte des 19. Jahrhunderts bilden den Auftakt. Ausgelassen feuern sich die fünf Paare bei der Tarantella mit Tamburinen an.

Kindertotenlieder

Als ernstes Trauerritual auf Gustav Mahlers "Kindertotenlieder" folgt Antony Tudors "Dark Elegies" von 1937. Bariton Dmitri Vargin trägt die fünf Gesänge nach Rückert-Gedichten von den Duisburger Philharmonikern unter Axel Kober begleitet, klar deklamierend, klangschön und sehr würdevoll vor. Mit expressionistischer Strenge und stilisiert eckigen Bewegungen mischen sich einsam Trauernde und liebevoll Tröstende in eine "heile" Welt.

Gebirgsüberwindung

"One" hat Terence Kohler seine neue Choreografie auf Brahms' erste Sinfonie genannt. Verena Hemmerlein hat auf der Hinterbühne ein Ensemble aus hohen, kantigen Elementen zum unüberwindlichen Gebirge getürmt. Diese monumentale Wand zu überwinden, gilt es. Marlúcia do Amaral nimmt den Kampf als erste auf. Aber die Einzelkämpferin bleibt gefangen im Chaos der widerstreitenden Masse Mensch. Yuko Katos überbordend lebensfrohes, energiegeladenes Solo im Allegretto dürfte in die neuere deutsche Tanzgeschichte eingehen.

Zum dreiteiligen Schlusssatz liefert der Choreograf eine läppische Lösung der Gebirgsüberwindung: Mit einer Leiter klettern alle über die erste Bergkette und verschwinden jenseits.

Termine: 22./30.1., 6./20.2., 16.4.; Karten: Tel. (0203) 28362100.