Bankraub mit fatalen Folgen

Erstes Berlinale-Wochenende

Es muss nicht immer Hollywood sein: Das erste Wochenende der Berlinale sieht einen überragenden deutschen Wettbewerbsbeitrag.

BERLIN

von Von Patrick Wildermann

, 08.02.2015, 15:02 Uhr / Lesedauer: 2 min
Bankraub mit fatalen Folgen

Die Schauspieler (v.l.) Laia Costa, Frederick Lau und Franz Rogowski in einer Szene des Films »Victoria«.

Kopfüber in die Nacht. Das ist ja das Berlin-Gefühl, das Touristen aus aller Welt in der Stadt suchen: sich verlieren im Sog der Bars und Clubs, die niemals schließen, Eintauchen in die urbane Boheme.

Schippers "Victoria"

Auch Victoria (Laia Costa), die aus Madrid kommt und seit drei Monaten durch die Metropole driftet, sehen wir anfangs im Stroboskopgewitter eines Kellerclubs tanzen. Dann trifft sie auf eine angesoffene Jungsclique, vier schräge, aber nicht unsympathische Vögel, die sich Sonne, Blinker, Boxer und Fuß nennen. Victoria steigt zu ihnen ins Auto, Anmachsprüche in lallendem Englisch fliegen hin und her, Partystimmung auf der Kippe.

Was wird das? Einer dieser Easy-Jetset-Filme? Nein. Sebastian Schippers "Victoria" ist ein atemberaubender Trip, der von einem kopflosen Bankraub und seinen fatalen Folgen erzählt. Der deutsche Wettbewerbsbeitrag mag vielleicht keine Chance auf den Goldenen Bären haben, weil ihm das politische Thema fehlt - aber so einen starken Film aus hiesiger Produktion hat es lange nicht gegeben.

Drehort Kreuzberg

Was vor allem daran liegt, dass Schipper ("Absolute Giganten") seine schwindelerregende Fahrt ins Morgengrauen in einem einzigen Take gedreht hat. 140 Minuten ohne Cut, immer mit der Handkamera nah dran am Geschehen, die digitale Technik macht’s möglich.

Insgesamt drei Echtzeit-Durchläufe haben sie von "Victoria" an 22 Schauplätzen in Kreuzberg gedreht, die letzte Version ist jetzt auf der Leinwand zu sehen. Grandios gespielt, die Dialoge sind sämtlich improvisiert.

Malicks "Knight of Cups"

Ja, das erste Berlinale-Wochenende steht im Zeichen starker Regie-Handschriften. Der zweite Film, auf dem große Erwartungen lagen, bei dem im Berlinale-Palast Riesenandrang herrschte, war "Knight of Cups" vom ewigen Wunderkind Terrence Malick.

Der hat 1999 den Goldenen Bären für sein Kriegsdrama "The Thin Red Line" gewonnen. Was ihm diesmal nicht gelingen dürfte.

Durch die Nobelarchitektur von Los Angeles

Christian Bale durchwandert in "Knight of Cups" als selbst entfremdeter Autor schweigend die kalte, teure Nobelarchitektur von Los Angeles. Während aus dem Off sein innerer Monolog über die ach so großen Fragen des Lebens plätschert.

Dazu trifft er laufend schöne Frauen - wie Natalie Portman (Foto) und Cate Blanchett - mit denen er irgendwie auch nicht glücklich wird.

Hollywood-Requiem

Das ist zwar ungeheuer form- und bildstark. Ein Hollywood-Requiem. Wird aber irgendwann sehr anstrengend. Malick war zur Pressekonferenz erst gar nicht erschienen. Dafür schlugen sich dort Christian Bale und Natalie Portman wacker. Frage an die Schauspieler: Worum geht es in dem Film? Antwort Bale: Das habe Malick ihnen auch nicht verraten. Ach so.

Fazit: Es muss nicht immer Hollywood sein.