Barber-Oper: Ihre große Liebe hat "Vanessa" erstarren lassen

Theater Hagen

Als Samuel Barber 1958 seine erste Oper an der New Yorker "Met" aufführen ließ, jubelte das Publikum und es folgte der Pulitzer-Preis für Musik. Bei den Salzburger Festspielen blieb die Reaktion drei Jahre später eher kühl - Barbers "Vanessa" war in der Alten Welt für lange Zeit abgehakt. Am Theater Hagen wurde die Oper jetzt wieder auf die Bühne gebracht.

HAGEN

von Von Karsten Mark

, 09.03.2015, 16:49 Uhr / Lesedauer: 1 min
Richard Furman als Anatol und Katrina Sheppeard als Vanessa.

Richard Furman als Anatol und Katrina Sheppeard als Vanessa.

Der dicke Eispanzer auf dem Gemäuer ist nicht nur dem strengen Winter geschuldet, der das herrschaftliche Anwesen im Norden umtost. Tiefe Kälte herrscht auch im Salon der Baronin. Mit ihrer Tochter Vanessa spricht sie kein Wort mehr; und Vanessa selber ist – von ihrer großen Liebe verlassen – seit 20 Jahren in eine innere Starre verfallen. Dazwischen steht die junge Erika, unschuldig und ergeben. Dann platzt ein Mann in die abgeschottete Welt – ein Gespenst aus längst vergangener Zeit.

Ernüchterung

Als Samuel Barber 1958 seine erste Oper an der New Yorker „Met“ aufführen ließ, da jubelte das Publikum und prompt folgte der Pulitzer-Preis für Musik. Drei Jahre später dann die Ernüchterung: Bei den Salzburger Festspielen blieb die Reaktion eher kühl, die Kritik fiel regelrecht über den Komponisten her.

In einer Hochphase der europäischen Avantgarde präsentierte der Amerikaner eine große Oper nach romantischem Vorbild mit Anklängen an Puccini und Richard Strauss. Barbers „Vanessa“ war in der Alten Welt damit für lange Zeit abgehakt.

Video-Einspielungen

Am Theater Hagen hat Regisseur Roman Hovenbitzer den Dreiakter unter ausgiebigem Einsatz von Videoeinspielungen (Film: Volker Köster) wieder auf die Bühne gebracht. Herausgekommen ist ein atmosphärisch äußerst dicht gewobenes Psychodrama, das zu fesseln vermag und auch geschickt mit den Gegebenheiten operiert. Etwa, dass sich die australische Gastsopranistin Katrina Sheppeard in der Titelrolle und Kristine Funkhauser als Erika im Timbre recht ähnlich sind.

Viel Dramatik

Die Regie macht aus der eigentlichen Nichte Erika eine Tochter und lässt sie der Mutter auch äußerlich gleichen. Das ist auch dramaturgisch geschickt, wenngleich man sich musikalisch vielleicht etwas mehr dramatisches Gewicht in der Vanessa-Partie wünschen würde.

An Dramatik allerdings mangelt es der Partitur Barbers nun wirklich nicht – sie ist im Gegenteil mitunter etwas überladen damit. Die Hagener Philharmoniker kosten sie unter Leitung von Florian Ludwig jedenfalls sehr genussvoll und farbenreich aus.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt