Baumfällungen im Süden sorgen für Diskussionen

Brandisstraße und Niederhofer Wald

An der Brandisstraße und im Niederhofer Wald fehlen Bäume: Unsere Redaktion haben mehrere besorgte Nachfragen erreicht, was denn dort passiert sei. Die Suche nach den Verantwortlichen gestaltete sich zunächst schwierig. Wir erklären, warum die Bäume gefällt wurden - und von wem.

HÖCHSTEN/WELLINGHOFEN

, 25.02.2016, 17:29 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dort, wo sich die Brandisstraße am Automuseum vorbei parallel zur B 54 den kleinen Berg nach Wichlinghofen hinauf schlängelt, haben Anwohner wie Jörg Bekel seit einigen Tagen freie Sicht. Und zwar nicht mehr auf dichtes Ast- und Blattwerk. Sondern auf eine jetzt deutlich ausgedünnte Böschung, die auf eine Lärmschutzwand zu führt, klassisch grau mit hässlichen Graffiti-Sprenklern. Bekel und seine Frau waren nach eigener Aussage fassungslos, als sie die Schneise sahen.

Herauszufinden, warum auf einem Stück von gut 500 Metern deutlich sichtbar ausgedünnt wurde, ist dabei schwieriger als gedacht. Den Großteil der Arbeiten an Bäumen nimmt die Stadt vor, entweder das Tiefbauamt (Grünflächen an Straßen) und der städtische Forstbetrieb (Wälder). Bei den Fällungen an der Brandisstraße war aber keine der beiden Abteilungen beteiligt.

Amprion fällt Bäume

Gleiches gilt für den landeseigenen Betrieb Straßen NRW. „Wir sind es nicht. Das einzige, was ansteht, sind Arbeiten an den Radwegen, die zum Frühjahr freigeschnitten werden“, so Sprecher Peter Beiske. Dazu passte das Ausmaß der Arbeiten aber nicht. Bleibt der vierte Mitspieler am Tisch: Das Unternehmen Amprion, eine RWE-Tochter, die Höchstspannungsstromleitungen betreibt. Frage: Sind sie es, die hier Bäume fällen?

„Ja, das sind wir. Es sind Arbeiten zur Trassenpflege, die wir gerade in Dortmund und Schwerte durchführen“, erklärt Sprecher Andreas Preuß. Damit Bäume nicht in die Stromleitungen hinein wachsen, werden sie regelmäßig gestutzt. „Das ist notwendig für die Sicherheit der Stromversorgung“, sagt Preuß. Die Trassenarbeiten von Amprion betreffen die 220-/380-kV-Höchstspannungsfreileitung von Kruckel nach Hamm-Uentrop. Der lange Weg zur zuständigen Stelle zeigt: So eine Fällung kann ein komplexer Vorgang sein. Am Ende sind die Bäume weg –  und die Bürger drum herum stört es. 

Abholzung im Niederhofer Wald

Das gilt auch da, wo es trotz intensiven Einsatzes von Sägen und Baggern noch reichlich Bäume gibt – im Niederhofer Wald etwa. Auch hier wieder: drastische Worte. „Die Abholzung unseres schönen Waldes hat unheimliche Ausmaße angenommen. Es tut weh, wenn man durch unseren Wald geht“, schreibt Leserin Gudrun Braeker in einer Mail an unsere Redaktion.

Tatsächlich stapeln sich im matschig-winterlichen Wald die Stämme, schwere Forstmaschinen schleifen totes Holz über die Wege. Hier „durchforstet“ die Stadt laut Sprecher Frank Bußmann den Niederhofer Wald, ein normaler Vorgang zum nahenden Ende des Winters. Der aber vor allem zuletzt in der Bolmke, im Stadtbezirk Hombruch und der Innenstadt gelegen, für hitzige Diskussionen bei Infotreffen im Wald gesorgt hatte.

Keine Fällungen ab 1. März

Die Arbeiten haben derzeit auch deshalb ein so hohes Tempo, weil ein entscheidendes Datum näher rückt. Ab dem 1. März dürfen weder Behörden, noch Unternehmen, noch Privatleute Bäume fällen. Bis zum 30. September schützt das Bundesnaturschutzgesetz nistende Vögel und andere Tiere.

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