Baustellen mit großer Staugefahr: Was hat sich getan?

Autobahnen im Ruhrgebiet

Im Januar haben wir Ihnen drei Baustellen vorgestellt, die Autobahnfahrer dieses Jahr im Ruhrgebiet am meisten nerven könnten. Ein halbes Jahr später horchen wir nach: Was hat sich getan? Fließt der Verkehr irgendwo schon wieder? War alles gar nicht so schlimm oder hat sich ein neuer Engpass ergeben?

NRW

, 01.08.2016, 05:00 Uhr / Lesedauer: 4 min
Seit Anfang Juli 2016 bekommen die Autofahrer die Ausbauarbeiten auf der A43 bei Recklinghausen zu spüren. Eine Baustelle mit verengten Fahrstreifen ist eingerichtet, Stauwarnanlagen aufgestellt.

Seit Anfang Juli 2016 bekommen die Autofahrer die Ausbauarbeiten auf der A43 bei Recklinghausen zu spüren. Eine Baustelle mit verengten Fahrstreifen ist eingerichtet, Stauwarnanlagen aufgestellt.

Die Fahrbahnsanierung auf der A2 bei Kamen, der Umbau der A40 bei Essen und der beginnende Ausbau der A43 zwischen Recklinghausen und Bochum - Anfang des Jahres prognostizierten Straßen.NRW und ADAC: An diesen drei Großbaustellen könnten die Autofahrer im Revier 2016 am häufigsten fluchen. Weil Spuren verengt oder gesperrt werden müssen. Weil man nicht so schnell fahren darf. Weil es sich staut. Mal wieder.

 

Wie sieht es sechs Monate später aus? Eins vorweg: Es war gar nicht immer so schlimm wie vermutet. Wir fangen mit der besten Nachricht an:

1. Ausbau der A40 / Lärmschutzwände in Essen

"Wir sind fast fertig", hatte Straßen.NRW über die Bauarbeiten zwischen Essen-Ost und Essen-Frillendorf im Januar gesagt - und Recht behalten. Mittlerweile sind die Lärmschutzwände entlang der A40 fertig, alle Spuren sind frei. Das heißt: Man kann von der A40 auf die A52 durchgehend zweispurig abfahren - was vor allem die vielen Pendler in Richtung Ratingen und Düsseldorf freut. Sie mussten beim den Ausbau des Ruhrschnellwegs jahrelang Nerven zeigen, die Bauarbeiten an der Abfahrt zur A52 waren das letzte Nadelöhr. "Der Rückstau auf die A40 hat sich jetzt erheblich verringert", sagt Frank Hausendorf von Straßen.NRW.

Beim Rückweg - vom Rhein zurück an die Ruhr - allerdings ist immer noch Geduld gefragt. Von der A52 auf die A40 führt weiterhin nur eine Spur. Geplant ist auch dort, irgendwann zweispurig abbiegen zu können. Doch die Planung sei schwierig, heißt es bei Straßen.NRW. So stehen zum Beispiel noch Wohngebäude im Weg.

2. Sanierung der A2 zwischen Dortmund und Kamen

34 Millionen Euro teuer, zehn Kilometer lang: Die Fahrbahnsanierung auf der A2 zwischen Dortmund-Nordost und Kamen/Bergkamen gehört nicht zu den teuersten, wohl aber zu den längsten Baustellen in NRW. Gerade zu Beginn kam sie öfter in die Negativ-Schlagzeilen: Es gab Staus und mehrere Unfälle, bei denen sich Insassen schwer verletzten. Bei einem Auffahrunfall am Stau-Ende kam ein LKW-Fahrer ums Leben. Daraufhin wurden Warn-Plakate geklebt, Schilder in mehreren Sprachen angebracht, Stauwarnanlagen aufgestellt.

Mittlerweile hat sich die Lage laut Projektleiter Herbert Holthaus sehr entspannt. In Fahrtrichtung Oberhausen ist die Sanierung abgeschlossen: Entwässerungskanäle sind erneuert, neue Leitplanken montiert, die Fahrbahn fertig. Gearbeitet wird nur noch auf der anderen Seite, in Fahrtrichtung Hannover. Aber auch dort sind laut Holthaus so gut wie immer alle drei Spuren offen - nur verengt.

Und die verengten Spuren seien für eine Baustelle noch recht breit. Zwischen 2,75 und 3,25 Meter. Zum Vergleich: Normalerweise messen die Baustellen-Spuren für PKW nur 2,60 Meter, die für LKW drei Meter. "Die breiteren Spuren in der A2-Baustelle machen den Verkehr sicherer und lassen ihn besser fließen", sagt Holthaus.

So gebe es sehr lange Staus allenfalls bei Unfällen. Ansonsten knubbele es sich höchstens zu Stoßzeiten im Berufsverkehr. "Nach neun Uhr morgens rollt es", sagt Holthaus. Die Baustelle sei ganz klar ein "neuralgischer Punkt", habe sich aber insgesamt gut entwickelt.

Und sie wird auch gar nicht mehr so lange bestehen. Noch im Herbst werden zwei Fahrspuren in Richtung Hannover fertig. Die dritte und letzte Spur soll im späten Frühjahr 2017 saniert sein, die Baustelle wird fast durchgehend dreispurig bleiben.

3. Sechsspuriger Ausbau der A43

Diese Baustelle begleitet die Autofahrer im Ruhrgebiet und damit vor allem die Nord-Süd-Pendler noch lange. Das Großprojekt wird zwar schon seit Jahren geplant und vorbereitet, die Bauarbeiten starteten Ende 2014 - doch zunächst fast ausschließlich jenseits der Fahrbahn. Eine Brücke wurde komplett neu gebaut. Es wurden verschiedene Vorbereitungen für den Ausbau getroffen: Unterbauten erneuert, Pfeiler versetzt, Stahlträger gezogen. Auch zwei neue Regenrückhaltebecken lässt Straßen.NRW errichten. Die sind laut Bau-Überwacher Michael Heun im vergangenen halben Jahr so gut wie fertig geworden. 

Seit Anfang Juli macht sich der Ausbau auch auf der Fahrbahn bemerkbar: Im Autobahnkreuz mit der A2 kann aus Richtung Hannover zur Zeit nicht mehr direkt auf die A43 Richtung Münster abgefahren werden. Die Tangente, wie es im Bau-Jargon heißt, wird komplett erneuert: Entwässerungskanäle, Lärmschutz, Kabel. Die weiteren Tangenten im Kreuz folgen. Autofahrer müssen aber keine großen Umwege fahren: Da das Kreuz eine Kleeblatt-Form hat, kann quasi im Kreuz "gewendet" werden. Die Mini-Umleitung ist mit einem roten Punkt ausgeschildert. 

Jetzt lesen

Auch auf der A43 selbst ist seit Juli nördlich von Recklinghausen-Hochlarmark eine etwa drei Kilometer lange Baustelle eingerichtet - mit jeweils verengten Fahrspuren auf beiden Seiten. Statt wie vorher 100/120 Kilometer die Stunde sind jetzt höchstens 60 drin. Das große Stau-Chaos sei aber bisher ausgeblieben, sagt Heun von Straßen.NRW: "Ein bisschen mehr ist es geworden."

Autofahrer auf der 43 sind Frust gewöhnt

Doch wer Leid geprüft sei, nehme es leichter, glaubt er: Auf der Strecke gebe es im Berufsverkehr ohnehin immer Staus - morgens in Fahrtrichtung Wuppertal, nachmittags gen Münster. "Wenn der Stau durch eine Baustelle nur etwas länger ist als gewöhnlich, stört das den Autofahrer weniger, als wenn es zu Stau kommt, der vorher nie da war", sagt Heun. Ähnlich hatte sich auch Peter Meintz vom ADAC im Januar geäußert: Die Autofahrer auf der A43 seien Frust schlicht gewöhnt.

Und werden diesen auch noch einige Jahre aushalten müssen. Das Mammut-Projekt A43 hat zwar "oberste Priorität" wie Planer Christoph Neumann sagt. Aber es sei auch ein großes, komplexes Vorhaben. Insgesamt ist der 22 Kilometer lange Ausbau in vier große Bauabschnitte eingeteilt, gebaut wird bisher nur im ersten.

 

Und so soll die A43 nach dem Ausbau aussehen:

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Umbau der A 43

Mehr Farbe und bessere Sicht auf die umliegenden Bauwerke: Die A 43 zwischen Recklinghausen und Bochum soll nicht nur umgebaut, sondern auch aufgehübscht werden.
14.01.2016
/

 

In der Karte erfahren Sie mehr über die einzelnen Abschnitte, zum Stand der Planungen und den Kosten:

 

Gut 600 Millionen Euro sind insgesamt bisher einkalkuliert, um die Strecke sechsspurig laufen lassen zu können. Die Arbeiten werden auf jeden Fall noch bis ins neue Jahrzehnt reichen. Genau festlegen mag Straßen.NRW sich nicht. Schon die Bauarbeiten auf dem ersten Teilabschnitt hatten sich verzögert - Anwohner hatten wegen zu hoher Lärmbelastung geklagt.

Gericht weist Klage ab
Laut Straßen.NRW rollen am Tag 100.000 Fahrzeuge über die A43 zwischen Recklinghausen und Bochum. Ausgelegt ist die Autobahn aber nur für 75.000. Nach dem Umbau soll sie 120.000 Fahrzeuge am Tag gut verkraften können. Anwohner des ersten Ausbauabschnitts hatten wegen zu hoher Lärmbelästigung geklagt - Ende April hat das Oberverwaltungsgericht in Münster die Klage abgewiesen. Vorsorglich hatte man einen Teil der Bauarbeiten erstmal zurückgestellt.

 

4. Stau-Fazit

An den drei Baustellen, die wir Anfang des Jahres als stauanfällig vorgestellt haben, hat sich etwas getan. Auf der A40 sind die Behinderungen komplett weggefallen. Auf der A2 hat sich die Lage entspannt. Auf der A43 dagegen geht es jetzt erst richtig los. 

5. Wo könnte es in Zukunft noch eng werden auf der Autobahn?

Öfter im Stau stehen werden in den kommenden Jahren laut ADAC auch die Autofahrer auf der A45. Der 115 Millionen Euro teure Neubau der der Lennetalbrücke bei Hagen läuft zwar schon einige Jahre, ist aber immer noch eine "Baustelle, die schmerzt", sagt Peter Meintz vom ADAC. Die sogenannte Sauerlandlinie sei auch ohne Bauarbeiten schon stark überlastet. Trotzdem wird in den kommenden Jahren dort noch viel getan werden müssen. Mehr als 50 Brücken müssen zwischen Dortmund und Frankfurt erneuert werden, weil sie zu marode sind.

Jetzt lesen

"Da führt kein Weg dran vorbei", sagt Meintz. "Die wirtschaftliche Entwicklung hat die Brücken eingeholt." Viele wurden in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts angelegt. Seitdem habe der Verkehr viel stärker zugenommen, als man es damals erwartet hätte. Vor allem der LKW-Verkehr, der den Brücken besonders zusetzt. 

Ein Problem beim Brücken-Ausbau: Anders als mitten im Ruhrgebiet gibt es im Sauerland nicht die Möglichkeit, vor der Baustelle auf andere Autobahnen auszuweichen.