Beeindruckende Ensembleleistung in Anton Tschechows "Möwe"

Theater Oberhausen

OBERHAUSEN "Das Ende soll nun auch für unser Theater kommen." Wenn der alte Sorin diesen Satz gleich zu Beginn von Anton Tschechows "Möwe" sagt, dann fühlt man sich als Zuschauer unmittelbar angesprochen. Zumindest in Oberhausen, wo Intendant Peter Carp das russische Meisterdrama am Freitagabend herausbrachte - als Remake seiner Luzerner Inszenierung von 2007.

von Von Klaus Stübler

, 19.05.2009, 11:26 Uhr / Lesedauer: 1 min
Als "Möwe" zeigt Annika Meier die Entwicklung der Figur zur desillusionierten Frau.

Als "Möwe" zeigt Annika Meier die Entwicklung der Figur zur desillusionierten Frau.

Dass derselbe Sorin (Hartmut Stanke) später seine eigene Meinung zum Thema mit "Ohne Theater geht es nicht" kundtut, wird da längst nicht so deutlich herausgestellt. Schließlich will es in dem Tschechow-Stück überall nicht so recht klappen mit der Verwirklichung von Wünschen und Träumen - im Künstler- wie im Privatleben. Die Bretter, die die Welt bedeuten, sind denn auch auf der Bühne des Oberhausener Theaters ein Holzsteg (zum See) und ein Trümmerhaufen aus Holzlatten.Peter Carp bringt ein starkes Ensemble auf die Bühne

Carps sorgfältig gearbeitete, im besten Sinne "klassische" Inszenierung setzt auf sein starkes Ensemble, das er um zwei Gäste aus seiner alten Luzerner Produktion erweitert hat. Alle zehn Schauspieler liefern überzeugende Porträts der auf traurige Art komischen Figuren und gestalten ein sich zum Ende hin verdichtendes dreistündiges Kammerspiel. Das Konflikt beladene Mutter-Sohn-Verhältnis zwischen Schauspiel-Diva Irina und dem empfindsamen Nachwuchsdichter Kosta wird von Andrea Schöning und Peter Waros eindringlich vorgeführt.Schauspielerin Annika Meier erntet großen Beifall

Annika Meier zeigt als Nina, der "Möwe", die Entwicklung der Figur vom lebensfrohen Teenager zur desillusionierten jungen Frau mit Schauspielengagement für einen Winter in der Provinz. Sie brilliert zudem mit einem minutenlangen Lachkrampf und bleibt mit einer fast ebenso langen filmreifen Kussszene mit Henry Meyer (Erfolgsschriftsteller Trigorin) in Erinnerung. Großer Beifall.

Karten: Tel. (0208) 8 5 7 81 84.

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