Beethoven erklingt in Perfektion

Konzerthaus Dortmund

Der weltberühmte Pianist Murray Perahia und die Academy of St Martin in the Fields sind ein eingespieltes Team. Trotzdem überraschte ihre Qualität in Dortmund.

DORTMUND

von Von Max Florian Kühlem

, 29.10.2017, 16:19 Uhr / Lesedauer: 2 min
Beethoven erklingt in Perfektion

Murray Perahia Foto: Broede © Sony Music Entertainment

Mit dem Kammerorchester Academy of St Martin in the Fields und dem Pianisten Murray Perahia ist zusammengekommen, was zusammengehört. Diesen Klangkörper im Konzerthaus Dortmund Beethovens erstes und drittes Klavierkonzert spielen zu hören, war eine Lust, eine Wonne.

Schon mit vorangestellter Ouvertüre zu „Die Geschöpfe des Prometheus“, die Beethoven 1801 als Vorspiel zu einem selten aufgeführten Ballett komponiert hat, zeigte die Academy ihr volles Potenzial: Traditionell ohne Dirigenten, geleitet von Konzertmeister Tomo Keller, spielte sie frisch und zupackend, pointiert und effektvoll und trotzdem äußerst elegant. Unübersehbar, dass sich das 1958 gegründete Orchester den kollegialen Geist bewahrt hat – es wirkt, als würde eine Gruppe von Freunden mit großer Freude musizieren.

Halb vom Klavierhocker, halb im Stehen dirigierte der 70-jährige Murray Perahia die ausführliche Orchestereinleitung von Beethovens erstem Klavierkonzert, blätterte dabei manchmal übereilt in der Partitur vor und zurück.

Freier atmen

Das mochte stellenweise unsouverän aussehen, aber dieser Eindruck täuschte komplett. Das Kammerensemble musizierte in größter Perfektion, und als Perahia die ersten absteigenden Läufe in dieses Spiel ergoss, flossen die Töne so organisch ineinander, dass es sich für die Zuhörer einen langen Moment lang anfühlte, als könnten sie jetzt freier atmen.

Seine ganz eigene, große Klasse bewies der Pianist, den eine lange Freundschaft mit Vladimir Horowitz verband, schon in der Kadenz am Ende des ersten Satzes: Die Passage, in der der junge Amerikaner Kit Armstrong unlängst im Musikforum Bochum noch einen Witz gemacht hatte und das Steiger-Lied einfließen ließ, nutzte Perahia für eine zwischen Klassik, Romantik und Moderne changierende Fantasie über die Themen des ersten Klavierkonzerts.

Standing Ovations


Auch im dritten Klavierkonzert begeisterte der starke Kopfsatz mit dem prägnant hämmernden Hauptthema und seinen galoppierenden Marsch-Sequenzen. Perahia absolvierte sie so kraftvoll, wie er im Largo großes Sentiment walten ließ. Die Standing Ovations am Ende – mehr als berechtigt.

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