Bei "Candide" ist alles nur Illusion

Schauspielhaus Bochum

BOCHUM Ganz nach vorne will Anselm Weber das Schauspielhaus Bochum bringen. Dabei immer Europa im Blick. Der Intendant scheut auf diesem Weg das Risiko nicht. Das beweist die Eröffnung seiner Intendanz mit "Candide" in der Regie von Paul Koek.

von Von Ronny von Wangenheim

, 24.09.2010 / Lesedauer: 3 min
Bei "Candide" ist alles nur Illusion

Joep van der Geest als junger Candide (l.), Therese Dörr (Kunigunde), Raiko Küster (Don Isachar) in der Eröffnungspremiere "Candide".

Er hat Candide beigebracht, dass alles zum Besten bestellt ist in der besten aller möglichen Welten. Da können noch so viele marodierende bulgarische Soldaten, Inquisitoren und Jesuiten Candides Weg über Kontinente hinweg kreuzen. Sprache ist Musik und Musik ist Sprache – so will es Paul Koek und setzt deshalb ein Ensemble auf die Bühne, dass elektronische und klassische Instrumente vereint. Ihre Musik, darunter Arrangement von (schwer noch zu erkennenden) Kompositionen Janaceks, illustriert nicht, sondern ist gleichberechtigter Partner. Später dann werden dann auch die Musiker Teil des Geschehens, kommen gar als Tannenbaum oder Maus auf die Bühne. Was steckt nicht alles drin in dieser Inszenierung. Es ist eine Sprechoper, aber auch Karikatur oder Comic, wenn auf eine Projektionsfläche gezeichnet wird. Koek zitiert die Kunstgeschichte, Rodin und Michelangelo, und stellt die Bewohner des glücklichen Eldorados zum Abendmahl auf. Ihnen hat Kostümbildnerin Dorothee Curio Fellröckchen oder gleich eine Katze als Lendenschurz umgehängt – nur ein Beispiel für viele weitere skurrile Kostüme.

Alles ist nur Illusion, auch das zeigt Koek, wenn er den Blick auf die Hinterbühne, auf Garderobenständer und bereit stehende Kulissen frei gibt. So gibt es viel zu sehen und zu bestaunen. Und doch zieht sich das Geschehen lang dahin an diesem mehr als dreistündigen Theaterabend. „Das Leben ist kurz, aber es dauert doch alles schrecklich lange“, lässt Koek den alten Candide am Ende sagen. Da lacht das Publikum. Termine: 26. 9., 3.,23., 10.10. Karten: Tel.: 0234 / 33 33 55 55