Beim Dehnen singe ich Balladen

Jürgen von der Lippe

Jedweden Humor mit nur einem einzigen Buch zu bedienen, daran würden die meisten Humoristen wohl scheitern. Jürgen von der Lippe gelingt in seinem neuen Buch "Beim Dehnen singe ich Balladen" der Spagat zwischen derben Witzen und hintersinnigen Erzählungen dagegen grandios.

26.02.2015, 13:54 Uhr / Lesedauer: 1 min

In den Geschichten und Glossen, die meist nicht mehr als drei Seiten umfassen, springt der 66-Jährige zwischen verschiedensten Themenbereichen hin und her und landet so mal beim Anbeginn der Menschheit, mal im ehelichen Bett.

Gott erzählt Witze

Der Leser ist dabei, wie Gott den Witz erfindet und wie er versucht, Adam und Eva schonend beizubringen, dass Kain Abel "aus dem Verkehr gezogen hat". Gott: "Kain war sauer auf Abel und hat überreagiert." Adam: "Was heißt das, hat er was kaputtgemacht?" Gott: "Ja, Abels Kopf." Eine heftige Grundsatzdiskussion folgt, in der Adam Gott vorwirft, er habe ihn und Eva auch nur aufgrund von Bodenschätzen aus dem Paradies geworfen.

Auch beim Auszug aus Ägypten gibt es Streit. Den Israeliten platzt der Kragen. Seit 39 Jahren laufen sie ohne Navi, ohne Karte durch die Wüste und "ein Mann fragt ja auch nicht nach dem Weg".

Treue durch Übergewicht

Im heimischen Ehebett, in dem der Leser öfter zu Gast ist, geht es ebenfalls nicht sehr harmonisch zu. Gegenseitig lesen sich Mann und Frau beim Frühstück aus den Zeitungen vor. Er: "Übergewichtige Männer sind treuer als normalgewichtige, steht hier." Sie: "Wenn du Mangel an Gelegenheit als Treue definierst, mag das stimmen."

Auch Damentennis schauen, ist der Harmonie zwischen diesen Eheleuten nicht zuträglich. Die Bälle werden hin- und hergespielt, mit klarem Sieg für die Frau, denn das Psychotennis endet für den Mann in der Selbsthilfegruppe, also am Stammtisch.

 

 

Jürgen von der Lippe: Beim Dehnen singe ich Balladen. Geschichten und Glossen, 224 S., Knaus, 14,99 Euro, ISBN 978-3-8135-0658-7.