Belästigung, Bedrohung, Angriffe: Zunahme der Gewalt gegen Lehrer „besorgniserregend“

Kriminalität

Immer mehr Lehrer in NRW werden laut einer aktuellen Umfrage Opfer von psychischer und körperlicher Gewalt. Die beschränkt sich längst nicht mehr nur auf den Unterricht.

Dortmund

24.09.2020, 10:47 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die Gewalt gegen Lehrer hat in Nordrhein-Westfalen erheblich zugenommen.

Die Gewalt gegen Lehrer hat in Nordrhein-Westfalen erheblich zugenommen. © picture alliance/dpa

Gewalt gegen Lehrer hat laut einer Umfrage unter nordrhein-westfälischen Schulleitern in den vergangenen Jahren zugenommen. Wie die Lehrergewerkschaft VBE am Donnerstag mitteilte, gaben 41 Prozent der befragten Schulleitungen an, dass es in den vergangenen fünf Jahren in ihren Einrichtungen zu körperlicher Gewalt gegen Lehrkräfte kam. Zwei Jahre zuvor lag der Wert noch bei 35 Prozent.

Fast zwei Drittel (64 Prozent) der Schulleiter berichteten dem Verband Bildung und Erziehung zudem von Fällen psychischer Gewalt gegen Lehrkräfte, neun Prozentpunkte mehr als vor zwei Jahren. Für die VBE-Umfrage hatte das Meinungsforschungsinstitut Forsa in NRW insgesamt 264 Schulleiter allgemeinbildender Schulen befragt.

Präventionsarbeit in den Schulen muss gestärkt werden

Der VBE-Landesvorsitzende Stefan Behlau nannte den Anstieg „besorgniserregend“. Sicherlich sorge auch die Enttabuisierung des Themas für eine Sensibilisierung. „Aber die Zahlen sollten dennoch ein deutliches Signal für eine Stärkung der Präventionsarbeit in den Schulen sein“, erklärte er laut der Mitteilung.

Behlau lobte in diesem Zusammenhang die Maßnahmen der Landesregierung wie den 2019 aufgestellten „Aktionsplan gegen Gewalt und Diskriminierung an Schulen“ und die dauerhafte Finanzierung von 1000 Stellen in der Schulsozialarbeit. Dennoch gebe es „noch viel zu tun“. Nötig sei unter anderem „für jede Schule mindestens eine Landesstelle für Schulsozialarbeit. In NRW gibt es gut 5400 Schulen.

Cybermobbing endet nicht nach Schulschluss

Der VBE wies auf einen besonders auffälligen Anstieg bei Fällen von Cybergewalt hin. So hätte ein Drittel der Schulleitungen in den vergangenen fünf Jahren von Fällen erfahren, in denen Lehrer über das Internet diffamiert, belästigt, bedrängt, bedroht oder genötigt wurden. 2018 hatten dies erst 17 Prozent beobachtet. „Besonders perfide am Cybermobbing ist: Es endet nicht nach Schulschluss, sondern verfolgt die Opfer 24 Stunden lang an allen Wochentagen. Und nicht immer bleibt es im digitalen Raum. Worte finden ihren Weg in die Realität, aus Worten werden manchmal Taten“, so Behlau weiter.

Die Umfrage ergab auch, dass mittlerweile deutlich weniger Schulleiter als vor zwei Jahren glauben, dass sie ihre von Gewalt betroffenen Kollegen ausreichend unterstützen konnten. Hatten dies 2018 noch 88 Prozent bejaht, waren es 2020 nur noch 59 Prozent. Behlau forderte in diesem Zusammenhang mehr Prävention. „Es gilt, die Ursachen zu bekämpfen. Eine ausreichende Versorgung an Lehrkräften, flächendeckende Schulsozialarbeit, kleinere Klassengrößen und die nötigen Fortbildungen sind hierfür grundlegende Faktoren. Bestmögliche Bildung und Erziehung sind der beste Schutz gegen Gewalt.“

dpa

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