Bericht: Weißes Haus weist Piraterie-Vorwürfe aus Berlin zurück

Coronavirus

Eine für Berlin gedachte Lieferung über 200.000 Schutzmasken sollen sich in Bangkok kurzerhand die USA geschnappt haben: Innensenator Andreas Geisel (SPD) sprach von moderner Piraterie.

Berlin

04.04.2020, 08:54 Uhr / Lesedauer: 1 min
Die US-Administration hat den amerikanischen Mischkonzern 3M per Gesetz verpflichtet, möglichst viele Atemschutzmasken vom Typ N95, wie sie in Krankenhäusern eingesetzt werden, an die USA zu liefern.

Die US-Administration hat den amerikanischen Mischkonzern 3M per Gesetz verpflichtet, möglichst viele Atemschutzmasken vom Typ N95, wie sie in Krankenhäusern eingesetzt werden, an die USA zu liefern. © picture alliance/dpa

Das Weiße Haus hat einem Medienbericht zufolge Vorwürfe zurückgewiesen, wonach die USA eine für das Land Berlin gedachte Lieferung über 200.000 Schutzmasken abgefangen hätten.

USA: Bei Vorwürfen handele es sich um Desinformation

Wie “t-online” berichtet, habe ein hoher Regierungsbeamter dementiert, dass die USA Schutzmasken, die in ein anderes Land geliefert werden sollten, an sich genommen hätten. Bei den Vorwürfen handele es sich demnach um Desinformation, sie seien “komplett falsch”, heißt es bei dem Nachrichtenportal weiter.

Beim Ankauf von Materialien aus anderen Ländern würden die USA stets die “angemessenen Kanäle” beschreiten.

Berlins Innensenator Andreas Geisel hatte am Freitag mitgeteilt, die USA hätten in Bangkok eine in Berlin dringend benötigte Lieferung von 200.000 Schutzmasken abgefangen. Die Masken der Klasse FFP-2, die vor Ansteckung mit dem Coronavirus schützen können, waren nach seinen Angaben für die Polizei der Hauptstadt bestimmt.

Berlin habe sie bei einem US-Unternehmen bestellt und bezahlt. Nach Recherchen des “Tagesspiegel” wurden sie in China hergestellt, offizielle Angaben dazu lagen nicht vor.

Geisel: “Akt moderner Piraterie”

Geisel kritisierte das Vorgehen der USA scharf. “Wir betrachten das als Akt moderner Piraterie”, erklärte er. “So geht man mit transatlantischen Partnern nicht um. Auch in globalen Krisenzeiten sollten keine Wildwestmethoden herrschen.” Die Bundesregierung müsse bei den USA auf die Einhaltung internationaler Regeln dringen.

Berlin steht mit dem Verlust nicht allein da. Jüngst hatten etwa französische Politiker den USA vorgeworfen, für Frankreich bestimmte Lieferungen von Schutzmasken in China aufzukaufen.

Zudem hat die US-Administration den amerikanischen Mischkonzern 3M per Gesetz verpflichtet, möglichst viele Atemschutzmasken vom Typ N95, wie sie in Krankenhäusern eingesetzt werden, an die USA zu liefern. Der Konzern produziert auch in China.

RND/cz/dpa