Berlinale: Die Stars sind erstklassig, die Filme nur Mittelmaß

BERLIN Ein Wettbewerbsfilm, hat Berlinale-Juror Christoph Schlingensief während des Festivals in einem Interview gesagt, habe nur dann eine Chance auf einen Bären, wenn er "politisch etwas wolle", oder eine ganz ungewöhnliche Filmsprache fände. Zumindest nach neuen Formen aber wird die Jury unter Vorsitz von Schlingensiefs Exfreundin Tilda Swinton wohl vergebens fahnden. Die 59. Berlinale nähert sich dem Ende, da ist es Zeit, ein vorläufiges Resümee zu ziehen. Wenige Höhepunkte, viel Mittelmaß, keine echten Entdeckungen - so präsentiert sich der Festivaljahrgang in Krisenzeiten.

von Von Patrick Wildermann

, 12.02.2009, 15:41 Uhr / Lesedauer: 1 min

Sicher, Engagement kann man kaum einem der Filme absprechen, die Berlinale-Chef Dieter Kosslick und sein Team aus der ganzen Welt zusammengesucht haben. Das iranische Mittdreißiger-Drama "About Elly" ist ebenso respektabel wie die uruguayische Romanze "Gigante" über einen Wachmann, der sich in eine Putzfrau verliebt. Der rumänische Kandidat "Katalin Varga" erzählt ebenso ambitioniert von einem Frauenschicksal, wie der peruanische Beitrag "The Milk of Sorrow", in dem es um Traumata geht. Und wer Kraft findet, der kann für zweieinhalb Stunden eintauchen in eine goldene Ära der Pekingoper, wie sie Regisseur Chen Kaige in "Forever Enthralled" opulent beschwört.Außerhalb des Wettbewerbs läuft seichte Unterhaltung

Als Tendenz jedoch fällt auf: Immer mehr Wettbewerbsfilme laufen, als Hollywood-Preview, außer Konkurrenz, darunter leichte bis seichte Unterhaltung wie "Pink Panther 2". Und mit der Reihe "Berlinale Special", die deutlich aufgewertet wurde, gräbt man dem Wettbewerb das Wasser ab.Festival meldet Rekordverkauf an Tickets

Immerhin, die Berlinale vermeldet schon jetzt mit Stolz einen Rekordverkauf an Tickets. Und über mangelnde Star-Präsenz ist auch nicht zu klagen. Im Wettbewerb zog zuletzt Demi Moore die Fans an den Potsdamer Platz, ihr folgte gestern die schöne Renée Zellweger ("Bridget Jones"), die im 50er-Jahre-Roadmovie "My One and Only" von Richard Loncraine eine betrogene Ehefrau auf Bräutigam-Schau spielt. Ein charmanter Film - jedoch weit entfernt von Schlingensiefs Ansprüchen.

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