Berlinale-Eröffnungsfilm zeigt Konflikt eines Musikers

Musiker-Porträt „Django“

Der Künstler und sein Gewissen: Die 67. Berlinale eröffnete am Donnerstag mit dem Drama "Django" über die Flucht des legendären Jazz-Gitarristen Django Reinhardt vor den Nazis.

BERLIN

von Patrick Wildermann

, 09.02.2017, 17:29 Uhr / Lesedauer: 1 min
Berlinale-Eröffnungsfilm zeigt Konflikt eines Musikers

Der Schauspieler Reda Kateb spielt Django Reinhardt. Der französische Debütfilm „Django“ hat gestern Abend die 67. Berlinale eröffnet.

Als zuletzt eine Berlinale musikalisch eröffnet wurde, hieß der Film "Shine A Light": Martin Scorseses Doku über die Rolling Stones. Ihr Auftritt auf dem Festival löste 2008 einen Ausnahmezustand aus und brachte Berlinale-Chef Dieter Kosslick ins Schwitzen - weil die Herren Stars im Hotel ihre Ruhe haben wollten und man ihretwegen die Bauarbeiten am Berliner Stadtschloss stoppen lassen musste. Kosslick hat sich im Vorfeld der diesjährigen Berlinale verschiedentlich an dieses Highlight der Herausforderungen erinnert.

"Django", das Musiker-Porträt von Regisseur Étienne Comar, ist von derlei Glamour und Bohei so weit entfernt wie die Stones von einer Blaskapelle. Comar zeigt zur Eröffnung der 67. Berlinale ein sprödes, winterkaltes Drama, das anno 1943 spielt, im von den Nazis okkupierten Paris. Dort hat sich Reinhardt bereits einen Namen gemacht als Gypsy-Gitarrist mit den flinkesten Fingern Frankreichs.

Eher zeithistorisches Drama

Allerdings wirft der braune Terror bald auch Schatten auf seine Karriere. Die Propaganda-Abteilung der Nazis versucht, Reinhardt für eine Deutschlandtournee einzuspannen, was den Musiker in Gewissensnöte stürzt. Schließlich nehmen die Pogrome gegen Roma und Sinti zu. Über Thonon-les-Bains will er in die Schweiz fliehen.

Eher ein zeithistorisches Drama also, als das Biopic eines Jazz-Virtuosen. Auch wenn der tolle Hauptdarsteller Reda Kateb (auch in Wim Wenders' "Die schönen Tage von Aranjuez" zu sehen) ein Jahr Gitarre geübt hat, um dem Anspruch der Rolle zumindest optisch gerecht zu werden.

Politisch prekären Zeiten

Debütregisseur Étienne Comar jedenfalls legt einen beachtlichen Eröffnungsfilm über den Künstler in politisch prekären Zeiten vor. Die heutige Situation der Roma und Sinti, die noch immer Verfolgung und Diskriminierung ausgesetzt sind, bildet dabei das Hintergrundrauschen zum Gypsy-Jazz. Ebenso wie die Situation von Millionen Menschen auf der Flucht.

Auf der Pressekonferenz der Berlinale betonte der Regisseur: "Ich bin überzeugt, dass Musik gerade in schwierigen Zeiten Freiheit bieten kann".

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