Berlinale: „Helle Nächte“ ist ein Roadmovie der Berliner Schule

Erster deutscher Beitrag

Das Schweigen der Bären: Thomas Arslans Roadmovie "Helle Nächte", der erste deutsche Beitrag im Wettbewerb, erzählt auf der Berlinale von einer schwierigen Vater-Sohn-Beziehung.

BERLIN

von Patrick Wildermann

, 13.02.2017, 14:46 Uhr / Lesedauer: 1 min
Berlinale: „Helle Nächte“ ist ein Roadmovie der Berliner Schule

Georg Friedrich spielt den Ingenieur und Vater Michael.

Überwiegend verläuft die Fahrt still. Und wenn doch gesprochen wird, raunzt der Junge seinem Vater Nettigkeiten zu wie: "Lass mich einfach in Ruhe". Der Höhepunkt an Gefühl ist erreicht, als der 14-jährige Luis schließlich ein beherztes "Ich hasse dich!" in die norwegischen Naturweiten schleudert. Väter und Söhne, ein zeitloses Konfliktthema.

Der Berliner Regisseur Thomas Arslan hat sich ihm jetzt in seinem Roadmovie "Helle Nächte" angenommen, dem ersten von drei deutschen Beiträgen im Wettbewerb um den Goldenen Bären. Es folgen noch die Künstlerdoku "Beuys" von Andres Veiel und Volker Schlöndorffs "Rückkehr nach Montauk".

Jetzt lesen

Arslan erzählt vom Ingenieur Michael (Georg Friedrich, auch in "Wilde Maus" zu sehen), der seinen Vater in Norwegen beerdigen muss. Auf die Reise nimmt er Luis mit, seinen pubertierenden Sohn aus einer geschiedenen Beziehung - toll von Tristan Göbel gespielt, den man aus Fatih Akins "Tschick" kennt.

Was als Annäherungsversuch gedacht ist, läuft ins Leere. Und zeigt, wie sich Muster wiederholen. Auch Michael hatte ein schwieriges Verhältnis zu seinem Vater.

Unaufgeregtes Drama

"Helle Nächte" ist ein typischer Film der Berliner Schule: sparsame Dialoge, sorgsam gewählte Kameraeinstellungen, leicht depressive Grundstimmung. Ein unaufgeregtes Drama mit berührenden Momenten, manchmal reichlich spröde - jedenfalls kein großer Wurf. Arslan war bei der Berlinale zuletzt mit dem tollen Spät-Western "Gold" vertreten.

Nach diesem Genre-Ausflug, so Arslan auf der Pressekonferenz, hatte er Lust auf einen Film, der näher an den eigenen Erfahrungen liegt. Warum er diese Geschichte gewählt habe? "Das müsste wohl ein Psychologe beantworten", so Arslan.

Jetzt lesen

Lesen Sie jetzt