Betrug beim Autokauf: 150 Fälle in Bochum und Herne – Opfer kommen aus ganz Deutschland

Traumauto wird zum Albtraum

Rund 150 mal haben Kriminelle in Bochum und Herne in den letzten zwei Jahren Autokäufer aus ganz Deutschland betrogen – mit teils ausgebufften Tricks. Die Polizei warnt und hat konkrete Tipps.

24.01.2020, 13:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Viele Menschen suchen im Internet nach einem Auto.

Viele Menschen suchen im Internet nach einem Auto. © dpa7Arch

Die Dimensionen sind heftig: Rund 150 Autos in zwei Jahren haben Betrüger in Bochum und Herne an gutgläubige Käufer aus ganz Deutschland verkauft. „Erst später im Heimatort merken viele, dass sie mit dem neuen Auto übers Ohr gehauen wurden“, erklärt Volker Schütte von der Polizei Bochum. Auch aktuell gebe es solche Fälle.

Das oft als „Schnäppchen“ im Internet angebotene Vehikel entpuppt sich später als viel zu teuer, defekt, zu alt, mit einer viel zu hohen Kilometerleistung. Dann landet der Fall nach dem Tatortprinzip wieder bei der Polizei in Bochum. 150 Mal in den letzten beiden Jahren. Und bei den Fällen gibt es viele Paralellen.

Fotos der Autos entstehen in Wohngebieten von angeblich kleinen Städten

Die Fotos, mit denen die Fahrzeuge in den Portalen wie mobile.de, AutoScout24 & Co angebotenen werden, sind laut Volker Schütte in der Regel in gepflegten Wohngebieten entstanden. „Nicht selten steht der aufpolierte Wagen in der Garagenzufahrt eines Einfamilienhauses mit Anschriften z.B. im Kreis Recklinghausen oder in kleineren Städten im Münsterland.“

Verkaufsort: Parkplatz oder Hauptbahnhof

Unter einer Legende (Verwandter liegt in Herne im Krankenhaus, bin auf einer Familienfeier in Bochum, etc.) würden die Interessenten nach Bochum oder Herne gelockt, schildert Schütte weiter. In der Regel träfen sich Verkäufe rund Interessent dann auf anonyme Parkplätze von Hochhaussiedlungen oder seit neuestem auch am Hauptbahnhof in Bochum. „Spätestens jetzt ist höchste Vorsicht geboten.“

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Auf diese Punkte sollten Sie noch achten

  • Wenn die Anschrift im Kaufvertrag eine andere ist als in der Zulassungsbescheinigung ist Vorsicht geboten. Oft sei in den Kaufverträgen der Betrugsfälle der Vorhalter als Verkäufer bereits eingetragen, zusammen mit einer Anschrift, die sich in der Nähe des Verkaufsortes befinde, so die Polizei. Diese Anschrift weicht aber in der Regel von der in der Zulassungsbescheinigung ab.

  • Wenn die Verkäufer, die häufig aus Polen oder Rumänien kommen, bereitwillig ihre Ausweise fotografieren lassen, ist ebenfalls immer Vorsicht geboten. „Zwar soll damit zwar Sicherheit hergestellt werden“, so Schütte, aber die Ausweise seien bei den Betrügereien entweder als Verlust gemeldet oder gehörten Scheinhaltern. Manchmal werde das Abfotografieren des Ausweises den Kunden förmlich aufgedrängt, um Seriosität herzustellen.
  • Besonde Vorsicht ist auch geboten, wenn in dem Kaufvertrag Zusätze aufgenommen werden wie: Rückgaberecht innerhalb von 14 Tagen, fehlende Schlüssel oder Sommer-/Winterreifen werden später „mit der Post“ zugesandt. Gleiches gilt für Reifen, die in der Nachbarstadt abgeholt werden können. „Dies dient lediglich dazu, den Verkäufer gedanklich abzulenken und selbst unerkannt vom Verkaufsort zu verschwinden“, so die Polizei.
  • Zusammen mit den Fahrzeugen werden immer Servicehefte übergeben. Die Stempelabdrücke der prüfenden Betriebe stimmen in der Regel nicht mit den Wohnorten der Vorhalter überein. Grundsätzlich sollte man per Handy prüfen, ob es das Autohaus an der angegebenen Anschrift überhaupt gibt. Daimler Benz gebe z.B. seit 2008 keine Servicehefte mehr aus, so die Polizei in Bochum.

  • Bei den Zulassungsbescheinigungen Teil II (Fahrzeugbrief) werden die Anzahl der Vorhalter und das Erstzulassungsjahr häufig gefälscht. Um den ursprünglichen Eintrag zu entfernen, rauen die kriminellen Autoverkäufer das Dokument nicht selten mit einer scharfen Klinge an, um dort neue Eintragungen vorzunehmen. Die Veränderung ist häufig schon mit bloßem Auge sichtbar.
  • Wenn Prüfberichte zur Hauptuntersuchung ausgehändigt werden, achten Sie bitte auch auf das Schriftbild der Fahrgestellnummern, weichen diese bei den Fälschungen in der Regel gut sichtbar vom sonstigen Schriftbild ab.

„Wer den Verdacht hat, dass etwas nicht stimmt, sollte das Auto auf keinen Fall kaufen“, sagt Volker Schütte. Erhärtet sich der Verdacht, sollte auch die Polizei eingeschaltet werden.

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