Beuys kommt im Treppenhaus zu Wort

Kunstsammlung BRW

Mit einem Paukenschlag ist die Kunstsammlung NRW in Düsseldorf um herausragende Werke der Minimal Art und der Konzeptkunst, der Arte Povera und der jüngeren Installationskunst reicher. Die wichtigsten Kunsttendenzen der Siebziger und Achtziger waren in der Landeskollektion bisher kaum vertreten.

DÜSSELDOR

, 22.11.2016, 14:40 Uhr / Lesedauer: 2 min

Möglich wurde die Ergänzung durch einen millionenschweren Coup. Kurz vor ihrem Wechsel nach Dresden im November kann Direktorin Marion Ackermann im Haus am Grabbeplatz die nach sechsjährigen Verhandlungen mit Hilfe des Landes, der Kunststiftung der Länder, der Kunststiftung NRW und der Ernst-von-Siemens-Kunststiftung erworbene Sammlung des verstorbenen Düsseldorfer Avantgarde-Galeristenpaares Konrad und Dorothee Fischer in zwei großen Sälen präsentieren.

Ein Ruf wie Donnerhall

Eine Hälfte der mehr als 200 Werke erhielt sie als Geschenk, die andere konnte sie zum unteren Schätzwert kaufen. Sammler aus den USA hatten dafür Unsummen geboten. Ackermann: "Die Sammlung hat dort einen Ruf wie Donnerhall."

Die 1967 in der Düsseldorfer Altstadt eröffnete, noch heute an anderem Standort existierende Galerie machte sich einen Namen, weil sie sich für eine neue, nicht mehr auf Malerei und Skulptur fixierte Künstlergeneration einsetzte. Für sie zählten Konzepte und Ideen. Künstler wie Carl Andre, Bruce Nauman oder Sol LeWitt erhielten hier zum ersten Mal Gelegenheit, ihr radikales, auf den ersten Blick sprödes Schaffen in Europa vorzustellen.

"Wolke und Kristall"

Sie durchzusetzen, war kein einfaches Unterfangen. Zu Eröffnung von Bruce Naumans erster Ausstellung blieben der Künstler, der Galerist und sein ehemaliger Kommilitone Gerhard Richter von der Kunstakademie Düsseldorf unter sich. Ob Zahlen-Jongleur On Kawara oder Text-Artistin Hanne Darboven, das Pärchen Gilbert & George, Daniel Buren, Jannis Kounellis oder Marcel Brodthaers - die radikalsten Künstler ihrer Zeit sind hier vertreten.

Unter dem Titel "Wolke & Kristall" nach einer Bodeninstallation aus zwei Mal 144 kubischen Bleiblöcken von Carl Andre sind in 16 Kabinetten auch Ausstellungen der Galerie rekonstruiert: Richard Longs schnurförmige "Sculpture for Konrad Fischer" aus Weidenstöcken, Longs Pinien-Nadel-Ecke und Bruce Naumans Tonband-Installation "Six Sound Problems".

"Ja Ja Ja Nee Nee Nee"

Mit seiner jecken Sound-Installation "Ja Ja Ja Nee Nee Nee" kommt Joseph Beuys im Treppenaufgang zwischen beiden Sälen höchstpersönlich zu Wort. Zu den eindrucksvollsten Stücken zählen Richard Longs monumentaler "Circle for Konrad" aus schroffem Cornwall-Schiefergestein, Dan Flavins rosafarbene Leuchtröhren, ausladende Pastelle von Mario Merz, Thomas Schüttes Aquarell-Zyklus "Blumen für Konrad & Blumen für Konrad" oder Gregor Schneiders Raumgebilde "Ur 25".

Der Galerist mit untrüglichem Kunstinstinkt ist auch als Maler unter dem Künstlernamen Konrad Lueg präsent. Sein Bild "Steppdecke oder Tropenregen" von 1966 sorgt schon im ironischen Titel für Irritationen.

Düsseldorf (K 20): "Wolke & Kristall", Grabbeplatz, bis 8.1., Di-Fr 10-18 Uhr, Sa/So 11-18 Uhr, Katalog: 48 Euro.