Bewegendes Video: 79-Jährige spielt inmitten der Trümmer auf ihrem Klavier

Beirut

Die verheerende Explosion in Beirut zerstört die Wohnungen Tausender Menschen. Auch die 79-jährige May Abboud Melki findet ihr Haus in Trümmern vor. Sie beginnt, auf ihrem Klavier zu spielen.

Beirut

06.08.2020, 19:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die Explosion in Beirut hat verheerenden Schaden angerichtet.

Die Explosion in Beirut hat verheerenden Schaden angerichtet. © picture alliance/dpa

Möbel liegen verstreut auf dem Boden, Bilder sind von den Wänden heruntergerissen und Scheiben zerschlagen. Inmitten von Trümmern spielte May Abboud Melki in ihrem Haus in Beirut am Mittwochabend Klavier – das Instrument war ein Geschenk ihres Vaters am Hochzeitstag und der einzige Gegenstand, der scheinbar unversehrt blieb. Auf diesem stimmte die 79-Jährige „Auld Lang Syne“ an – das Lied gilt weltweit auch als Abschiedslied und als Hymne zum Gedenken an Verstorbene. Unter anderem hatte CNN über die Geschichte berichtet.

Während der massiven Explosion am Dienstag, bei der mindestens 135 Menschen getötet und 5000 verletzt wurden, war die Seniorin, ebenso wie ihr Mann, nicht zu Hause. Als sie am Mittwoch ihr Heim wieder aufsuchten, waren sie am Boden zerstört, als sie sahen, dass das Haus, in dem sie 60 Jahre lang gelebt hatten, in Trümmern lag.

Kurz nachdem sie das Haus betrat, spielte sie Klavier

„Es hat den gesamten Bürgerkrieg überlebt. Es war Zeuge von Kugeln“, sagte May-Lee Melki, die Enkelin der Pianistin, zu CNN. Zwar wären ihre Großeltern immer wieder gezwungen gewesen, ihr Leben neu zu ordnen. Aber die Verwüstung ihres Zuhauses, mehr als eine Meile von der Explosionsstelle entfernt, war laut ihrer Enkelin nichts, was sie jemals zuvor gesehen hätten.

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Bereits kurz nachdem May Abboud Melki das Haus betrat, sei sie zielstrebig auf ihr Klavier zugegangen. Und dann, umringt von einem Dutzend Freiwilliger, begann sie zu spielen. Zuerst den Klassiker „Auld Lang Syne“, darauffolgend bekannte arabische Lieder. „Sie hat den Schmerz überwunden und versucht, ein paar Momente des Friedens zu haben“, zitiert CNN die Enkelin weiter. Die freiwilligen Helfer versammelten sich um das Klavier und begannen zu beten.

Die Enkelin teilte ein Video der Szene auf Facebook, wo es inzwischen über 24.000-mal geteilt wurde und viele positive Reaktionen erntete. „May-Lee Melki, Sie haben viele mit diesem Video inspiriert“, schrieb die Userin Alice Azar. „Ich liebe es so, Tränen laufen mir über das Gesicht“, kommentiert die Nutzerin Joyce Cardwell. Und Maria R. Barsoom schwärmt: „Wo Worte versagen, spricht die Musik.“ Sie ergänzt: „Möge Gott das, was zerbrochen ist, besser wiederherstellen als es war.“

Suche nach Opfern und Ursache geht weiter

In Beirut, der libanesischen Hauptstadt, hatte eine heftige Detonation am Dienstag zum Tod von 130 Menschen und Tausenden Verletzten geführt. Auch eine Mitarbeiterin der deutschen Botschaft wurde bei der Katastrophe getötet. Große Teile des Hafens sind zerstört und ganze Straßen im Zentrum in Trümmer gelegt. Spekuliert wird, dass große Mengen an Ammoniumnitrat, die jahrelang im Hafen ohne Sicherheitsvorkehrungen gelagert wurden, explodierten. Das unter moldauischer Flagge fahrende Frachtschiff „Rhosus“ soll 2013 große Mengen der gefährlichen Substanz in den Hafen gebracht haben.

Derweil geht die Suche nach Opfern sowie nach der Ursache weiter. Eine Untersuchungskommission der Regierung soll innerhalb von fünf Tagen einen ersten Bericht vorlegen.

RND

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