Bischof Stephan Ackermann: „Wir wollen Aufklärung“

Missbrauchsbeauftragter im Interview

Nach der Aufkündigung der Zusammenarbeit mit dem Kriminologen Christian Pfeiffer bei der Aufklärung des Missbrauchsskandals hält die Kritik an den katholischen Bischöfen an. Im Interview mit Rasmus Buchsteiner wehrt sich Stephan Ackermann, Bischof von Trier und Missbrauchsbeauftragter der Deutschen Bischofskonferenz.

BERLIN

von Von Rasmus Buchsteiner

, 11.01.2013, 10:59 Uhr / Lesedauer: 2 min
Bischof Stephan Ackermann wehrt sich gegen die Kritik an der katholischen Kirche.

Bischof Stephan Ackermann wehrt sich gegen die Kritik an der katholischen Kirche.

Von Zensur oder Kontrolle kann keine Rede sein. Es geht nicht nur um Zahlen, sondern auch um Interpretation. Unser Anliegen war, dass wir unsere Sicht auf die Dinge ebenfalls öffentlich darlegen können. Wir wollten unser Votum mit einbringen. Es ging uns ausdrücklich nicht darum, unliebsame Dinge unter den Teppich zu kehren oder wegzustreichen. Wir erwarten, dass Professor Pfeiffer seinen Zensurvorwurf nicht mehr wiederholt, und haben ihm daher eine Unterlassungserklärung zukommen lassen.

Ja, eine gewisse Verärgerung kann ich schon nachvollziehen. Deshalb bedauere ich auch, dass sich die Sache so entwickelt hat. Wir wollten das Projekt gemeinsam mit Professor Pfeiffer und seinem Forschungsinstitut auf den Weg bringen. Es wurde alles versucht, in einem Schlichtungsverfahren zu einem Ergebnis zu kommen. Dann war beiden Seiten klar, dass das notwendige Vertrauen fehlt.

Es hat gewisse Vorbehalte gegeben. Aber die haben nicht zur Trennung von Professor Pfeiffer geführt. Es gab mit Herrn Professor Leygraf ein weiteres unabhängiges Forschungsprojekt zum sexuellen Missbrauch und zu Täterprofilen. Da haben wir solche Schwierigkeiten nicht gehabt. Bei den Vorbereitungen für die Studie von Professor Pfeiffer gab es auch wertvolle sachdienliche Hinweise aus den Bistümern. Die Personalakten einer so großen Institution wie der katholischen Kirche für die Forschung zu öffnen, das ist ein unglaublich ambitioniertes Projekt. Da haben wir bestimmte datenschutzrechtliche Schwierigkeiten unterschätzt. Das muss auch Herr Pfeiffer eingestehen.

 

Wir wollen das Projekt und suchen mit Hochdruck nach einem neuen wissenschaftlichen Partner. Niemand muss an unserem Aufklärungswillen zweifeln, auch nicht die Bundesjustizministerin. Wir sollten korrekt miteinander umgehen. Es wird eine unabhängige Untersuchung von Personalakten geben. An diesem Konzept halten wir fest.  

 

Diesen Vorwurf hat Professor Pfeiffer geäußert. Er hat aber trotz meiner Bitte keine Belege zu diesen Vermutungen geliefert. Es gibt keine Anhaltspunkte für Aktenvernichtung. Wo es zu Strafverfahren gekommen ist, müssen die Unterlagen nach Kirchenrecht aufgehoben werden. Es besteht also keine Möglichkeit, Fallzahlen zu schönen oder Verfahren zu vertuschen.  

Das müssen wir abwarten. Es kann durchaus sein, dass das Forschungsprojekt weitere bislang unbekannte Missbrauchsfälle ans Licht bringt – zum Beispiel, weil sich Opfer bisher nicht gemeldet haben. Wir wollen rückhaltlose Aufklärung.  

Es haben sich ungefähr 1200 Personen bei den Bistümern und Orden gemeldet und Anträge auf materielle Anerkennung ihres Leids gestellt. In fast allen Fällen wurden die Anträge positiv beschieden. Damit steht die Kirche allein. Die Bundesregierung hat den vom Runden Tisch geforderten Entschädigungsfonds zum Beispiel für Therapien bisher nicht ausgelegt. Die materielle Entschädigung ist aber nur eine Facette. Wir haben neue Leitlinien für den Umgang mit Verdachtsfällen und arbeiten an Präventionsstrategien.