Bittersüße Heimat bei der Berlinale

Filme im Wettbewerb

Einige der besten Filme im Wettbewerb der Berlinale sind tief mit ihrem Herkunftsland verwurzelt. Obwohl sie universelle Geschichten erzählen, hätten sie nirgends anders entstehen können - etwa die melancholische Leipzig-Ballade "Als wir träumten", die Doku "Der Perlmuttknopf" oder "Ixcanul" - den viele für einen Bären-Favoriten halten.

BERLIN

von Von Patrick Wildermann

, 09.02.2015, 15:43 Uhr / Lesedauer: 2 min
Bittersüße Heimat bei der Berlinale

María Mercedes Croy als Maya-Mädchen im Film "Ixcanul".

Mit Andreas Dresens Verfilmung von Clemens Meyers melancholischer Leipzig-Ballade „Als wir träumten“ zeigt sich das deutsche Kino bei der Berlinale noch einmal stark. Heimatfilm? Klingt nach Mief. Aber tatsächlich sind einige der besten Filme im Wettbewerb tief mit ihrem Herkunftsland verwurzelt. Obwohl sie universelle Geschichten erzählen, hätten sie nirgends anders entstehen können.

Naturschönheit Patagoniens

Wie die Dokumentation „Der Perlmuttknopf“ von Patricio Guzmán. Der chilenische Regisseur taucht anfangs tief in die Naturschönheit Patagoniens ein. Bloß, um dann zu den Massakern an der indigenen Bevölkerung vorzudringen. Und zu den tausendfachen Morden an Regimegegnern während der Diktatur.

Jetzt lesen

Oder „Ixcanul“ von Jayro Bustamente. Den halten viele für einen Bären-Favoriten. Es ist der erste Film aus Guatemala, der je im Berlinale-Wettbewerb lief. Eine großartig gespielte Geschichte über ein Maya-Mädchen (María Mercedes Coroy), das am Fuße des Vulkans Ixcanul lebt und sich in einen mittellosen Kaffeebohnen-Pflücker verliebt, der sie schwängert und sitzen lässt.

90er-Jahre-Porträt 

Und auch Andreas Dresens „Als wir träumten“, die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Clemens Meyer, ist ein Heimatfilm. Das 90er-Jahre-Porträt einer „lost generation“ in Leipzig. Das melancholisch grundierte und immer wieder auch schmerzlich brutale Jugenddrama erzählt von einer Clique im Vakuum nach der Wende. Dani, Mark, Rico, Pitbull und Paul wachsen in ziemlich kaputten Verhältnissen auf, suchen den Rausch aus Suff, Techno und krummen Touren.

Jetzt lesen

Anarchie in East-Germany. Aber das Freiraumgefühl währt nicht lange. Für alle scheint der Abstieg programmiert. Einer stirbt an einer Überdosis Drogen, der andere wandert nach einem Bankraub in den Knast, statt Boxer zu werden.

Zärtlichkeit zu den Figuren

Dresen – Berlinale-Gewinner mit „Halbe Treppe“ – bringt diese Loser-Ballade mit tollen jungen Darstellern und der gleichen Zärtlichkeit zu den Figuren auf die Leinwand, die auch Meyers Roman auszeichnet. Und natürlich ist der Film fast ausschließlich in Leipzig entstanden. Musste sein. „Wir haben dort Stadtteile gefunden, die noch genau so aussahen wie in den 90ern“, sagt Dresen.

Lesen Sie jetzt