"Blade Runner 2049" macht die Erde zum Staubplaneten

Im Kino

An Kultfilme anzudocken, ist schwer. Denis Villeneuves „Blade Runner 2049“ nimmt Fäden des SciFi-Klassikers von 1982 auf und zieht sich erstaunlich gut aus der Affäre

DORTMUND

, 02.10.2017, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
"Blade Runner 2049" macht die Erde zum Staubplaneten

K (Ryan Gosling, l) und Rick Deckard (Harrison Ford) rennen vor dem Raketeneinschlag davon.

35 Jahre liegen zwischen Ridley Scotts Meisterstück und Villeneuves Fortsetzung. Das heißt 35 Jahre Evolution der Tricktechnik, und die sieht man im neuen „Blade Runner“.

Ohne dass man den Film eine Trickorgie nennen könnte, macht er klugen Gebrauch von seinen Effekten und kreiert Schauplätze von imponierender Weite, Leere, Trostlosigkeit oder aber eine Architektur, die erschlagend wirkt in ihrer nüchtern funktionalen Brutalität.  

Detektivgeschichte

Dazu muss man wissen, dass die Erde des Jahres 2049 vergiftet ist, ein staubiger Planet mit fahlem Himmel, den die Sonnenstrahlen nicht mehr erreichen. Die Bäume sind tot, eine Blume ist ein Wunder, Bauern züchten Maden als Proteinquelle. Ödland, wo man hinsieht. In den Städten drängen sich die Menschen in grauen Betonwaben, das Gewusel in den Gassen von Los Angeles erinnert an ein Neo-Tokio und damit an die Straßenszenen bei Ridley Scott mit riesigen Reklame-Videos und haushohen Hologrammen.

Die blinken und funkeln und gaukeln dem Betrachter urbane Vitalität vor, die den Stadtbewohnern längst abgeht. Programmierte Künstlichkeit pulsiert heftiger als das biologische Leben. Um künstliche und biologische Existenzen kreist auch die Handlung des Films – nach Regeln klassischer Detektivgeschichten.

Spannende Schnitzeljagd

Es ist eine spannende Schnitzeljagd auf der Suche nach einer Wahrheit, die das Gesellschafts- und Wirtschaftssystem der Erde und ihrer Kolonien im All erschüttern kann. Das basiert auf der Ausbeutung von Menschmaschinen, „Replikanten“. Außen Menschen, innen Apparate mit erstaunlichen Kräften und Fähigkeiten.

„Träumen Androiden von elektrischen Schafen?“, hieß die Geschichte von Philip K. Dick, auf der Scotts Film basierte. Haben Roboter Gefühle und eine Seele? Auch Villeneuve verhandelt dieses Großthema der Science-Fiction, das quasi die Echokammer hinter dem vordergründig erzählten Thriller bildet. Ryan Gosling (dem man auch beim Ins-Leere-Gucken gern zusieht) spielt den „Blade Runner“ K, ein Replikant, der im Dienst der Polizei Replikanten älterer Modelle tötet. Er findet das Skelett einer Frau, eindeutig Replikantin, die scheinbar Mutter wurde.  

Sphärische Musik

Kann das sein? Maschinenwesen als Mamas? Und wo ist das Kind? K sucht es, der größenwahnsinnige Roboterfabrikant Wallace (Jared Leto) ebenfalls. K nimmt die Fährte auf, die ihn schließlich zu Deckard führt, Harrison Fords Blade Runner von 1982.  

Das ist packend erzählt, wobei die Spannung aus der Geschichte erwächst, nicht aus kurzatmiger Action und Wuchtgetrommel. Die Musik ist sphärisch, flächig, elektronisch, mit einer Aura von Mystery und Majestätischem. Es gibt Futuro-Technik in superben Tricks in zu sehen, philosophische Tiefe ist auch dabei. Was will man mehr?    

 

 

 

 

 

 

 

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