Blick durchs Schlüsselloch

Douglas Gordon in Essen

Douglas Gordon lässt uns durchs Schlüsselloch schauen: Das Folkwang-Museum stellt 180 Fotografien des schottischen Künstlers aus. Sie zeigen seinen Sohn am Pool, die Mutter des Künstlers, Blumen - so als ob Gordon in seinem Leben für einen Moment die Stopptaste gedrückt hätte.

ESSEN

von Von Dominique Snjka

, 29.11.2013, 19:08 Uhr / Lesedauer: 2 min
Douglas Gordon kam zum Aufbau seiner Ausstellung nach Essen.

Douglas Gordon kam zum Aufbau seiner Ausstellung nach Essen.

Es ist schwer, nur ein einziges Foto zur selben Zeit anzusehen. Als Betrachter nicht selbst Teil der Ausstellung zu werden - unmöglich: Zwischen die Fotografien hat Gordon 180 Spiegel gesetzt. Manche nicht größer als eine Geldbörse, andere so hoch wie ein Wandschrank. Ein Mosaik vom Fußboden bis zur Decke. Sie sind wie Fenster, die einen neuen Blick aus einer anderen Perspektive erlauben. "Everything Is Nothing without Its Reflection - A Photographic Pantomime" nennt er die erstmals ausgestellte Arbeit. "Es ist etwas Vertrautes, jeder erkennt es wieder. Es hat etwas Intimes", sagt der 1966 in Glasgow geborene Künstler über sein Werk.Keine Autobiografie

Dazu gehören ein Bild von seinem Sohn mit Maske und eines von der Mutter seiner Tochter, die Gordon entgegenspringt. Auf einem anderen ist der britische Maler Richard Hamilton abgebildet. Er schaut über die Schulter hinweg in die Kamera, das Gesicht überbelichtet und übergroß. Das ist wie ein Blick ins Familienalbum, wie das schnelle Porträt eines Freundes. Und doch ist seine jüngste Arbeit keine Autobiografie seines Lebens.

Reste von Lasagne

Sie erlaubt, die Welt aus den Augen des Künstlers zu sehen, schlaglichtartig: Reste einer Lasagne, ein Knochen, der in einer Schale schwimmt. Ein Bild des französischen Nationalspielers Zidane, den Gordon über die Zeit eines Ligaspiels porträtierte. Bekannt wurde er 1993 mit der Videoinstallation "24 Hour Psycho", 1996 erhielt er den Turner-Preis.

Andere Bilder verstören - so wie die Schädel mit den eingestanzten Sternen. "Je älter ich werde, desto mehr Sterne werden dort sein", sagt Gordon. Manche Motive setzen sich fort wie eine Erzählung: Weiße Blätter, aus einem Fenster geschleudert, sind auf dem nächsten Bild aus der Perspektive des Werfenden zu sehen. Ein Kind, unscharf, und immer wieder die Arme des Künstlers. Es ist eine Nähe, die nicht unangenehm ist - als könnte man in Gordons Gedanken eintauchen.

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