"Blind und hässlich" zeigt Liebelei zweier Außenseiter

Neu im Kino

Jona trifft Ferdi – der Beginn einer Liebesgeschichte zwischen „Blind und Hässlich“, so der Titel des Films von Tom Lass: Außenseiter-Komödie, Schelmenstück, Amour Fou. Auch wenn seine Botschaft sich auf die Formel „Zu jedem Topf passt ein Deckel“ verknappen lässt: Der Film feiert das Leben, und sei es noch so beschissen.

DORTMUND

, 20.09.2017, 17:56 Uhr / Lesedauer: 1 min
"Blind und hässlich" zeigt Liebelei zweier Außenseiter

Tom Lass spielt den linkischen, schüchternen Ferdi, Naomi Achternbusch seine Freundin Jona.

Ferdi (Tom Lass) ist ein linkischer Vogel, der durch den Wald irrt, beim Bauern Eier mopst, wildfremde Frauen anquatscht, ob sie mit ihm gehen wollen. Die Polizei liefert ihn bei der Psychiaterin ab, er kommt ins betreute Wohnen. Nicht zum ersten Mal. Ferdi kennt die therapeutische Mühle, die Gesprächsrunden, die Rollenspiele. Dumm ist er nicht, aber introvertiert und schüchtern. Außerdem hält er sich für hässlich.

Dann gibt es Jona (Naomi Achterbusch). Sie hat das Abitur geschmissen, läuft zuhause weg und kriecht bei ihrer Freundin Cécile unter, die im Wohnheim für Blinde lebt. Um dort ein Zimmer zu kriegen, spielt Jona eine Blinde. Sehr überzeugend übrigens.

Sympathische Liebelei in "Blind und hässlich"

Vom Papier her mag das nach bemühtem Kinomärchen klingen, in der Umsetzung seines Drehbuchs zeigt Lass aber ein Gespür für die richtige Dosis Realismus und ein Händchen für nüchtern-trockene Komik, die dafür sorgen, dass der Film nicht ins Wolkenkuckucksheim abhebt.

Klar ist da etwas Posse, wenn Jona ihre Scharade durchzieht, scheinbar ins Leere guckt und alle foppt mit ihrem Blindenstock. Aber der Witz wird nicht zum Selbstzweck, schiebt sich nicht vor die Figuren und die Geschichte. Gewahrt bleibt ein Kern von Wahrhaftigkeit und Ernst, der seichten Jux von Humor mit Tiefe scheidet.

Die Inszenierung kommt auf den Punkt, sie hat eine Frische, die sich auch in den Dialogen und im Spiel der Darsteller findet. Dazu ein kleiner Spritzer Anarchie: absolut sympathisch.

 

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